KSV Hessen - Schwaben
Augsburg
Es wäre so schön
gewesen, stöhnten die mit hängenden
Köpfen das Auestadion verlassenden
Zuschauer. Wer soll denn noch diese Schwaben
besiegen, wenn wir es nicht auf eigenem
Platz fertigbringen. Damit war schon fast
alles gesagt. Gewiß, unsere gesamte
Hintermannschaft hatte einen schwachen Tag
erwischt, wie die Schwaben dies aber auszunutzen
verstanden, verriet schon Klasse. Schon
die in der Vorserie erlittene Schlappe kam
nicht von ungefähr. Leider konnten
wir keine Revanche nehmen.
Auf dem glatten und hartgefrorenen
Boden begannen die Augsburger gleich mit
einem Angriffswirbel, der uns mehr als einmal
in Verlegenheit brachte. Immer wieder wurde
der pfeilschnelle Rechtsaußen Peschen
mit steilen Pässen auf die Reise geschickt.
Hans Alt konnte ihn zu keiner Zeit unter
Kontrolle bringen. Wenn Peschen auf die
andere Seite wechselte und Hans Alt ihm
folgte, stieß sogar der rechte Verteidiger
immer wieder in den freien Raum und schuf
Verwirrung. Heiner Dittel versuchte zwar
die Lücke zu schließen, mußte
dies jedoch auf Kosten seiner eigenen Deckungsaufgaben
tun. Er hatte schon mit seinem Gegenspieler,
Mittelstürmer Lechner, mehr zu tun
als ihm lieb war. Dieser Lechner, bester
Spieler auf dem Platz, konnte überhaupt
nicht markiert werden.
Nicht unerwartet kam daher
in der 13. Minute das Führungstor für
die Schwaben durch den Rechtsaußen
Peschen. Noch zweimal hatten wir Glück,
als die Gäste aus aussichtsreicher
Position verschossen und einmal Karl Loweg
reaktionsschnell eingreifen konnte. Die
erste große Ausgleichschance vergab
Hans Michel nach einem Freistoß Helmut
Huttarys. Übrigens ging Hans Michel
halb krank aufs Spielfeld, und er hätte
besser getan, von sich aus auf dieses Spiel
zu verzichten. Er hatte während des
Spieles mehrere Magenanfälle.
Einen Eckball Joschi Burjans
schlenzte in der 21. Minute Peter Jendrosch
raffiniert in die lange Ecke. Jetzt spielten
unsere Vertragsspieler 20 Minuten ihr gewohntes
Flachpaßspiel. Gerd Becker erzielte
schon zwei Minuten später mit einem
Schuß von der Strafraumgrenze aus
die umjubelte 2:1-Führung. Als in der
28. Minute Peter Jendrosch einen von Rolf
Fritzsche zugespielten indirekten Freistoß
im äußersten rechten, oberen
Toreck unterbrachte, schien das Spiel gelaufen.
Bis zum Halbzeitpfiff ging nun das Kommando
wieder an die Bayern über. Viele Zuschauer
erwarteten nun eine etwas defensivere Spielweise
der Hessen. Immerhin hatten die Schwaben
zu jeder Zeit der ersten Spielhälfte
ihre Gefährlichkeit bewiesen.
Unsere Mannschaft stürmte
jedoch weiter mit allem was zur Verfügung
stand, trotz der schon eingangs erwähnten
erheblichen Schwächen, die unsere Hintermannschaft
offenbarte. Wie eine kalte Dusche wirkte
daher der 3:2-Anschlußtreffer der
Gäste schon zwei Minuten nach Wiederbeginn.
Jetzt mißlang nahezu alles, was von
unseren Spielern unternommen wurde. Immer
wieder kamen die hohen Bälle, die für
unseren Sturm gedacht waren, wie von einer
Wand zurück. Sie wurden alle die Beute
des baumlangen Stoppers Otschik und seiner
Nebenleute.
Als die Gäste das
3:3 erzielten, standen den Zuschauern die
Haare zu Berge. Wer nun erwartet hatte,
daß sich unsere Mannschaft gegen eine
drohende Niederlage aufbäumen würde,
wurde bitter enttäuscht. So schossen
die Schwaben auch noch ein viertes und fünftes
Tor und machten die zweite Heimniederlage
unserer Mannschaft vollständig.
Quelle: KSV-Vereinsrundbrief
Nr. 2, Februar 1964