HOME
News
Regionalliga
Verbandsliga
Vereinsbilanz
Hall of Fame
Spielerarchiv
Trainerarchiv
Saisonarchiv
Auestadion
Hessenlöwe
LINKS
IMPRESSUM

<<< 33. Spieltag
2. Liga Süd 1956/57, 34. Spieltag

KSV Hessen Kassel - FC Bayern Hof

1:2 (0:0)

Sonntag, 02.06.1957
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
FC Bayern Hof
Winterling
Thielhorn
Patrikowsky
Beierlein
Hörath
Dorn
Winterstein
Weigel
Wellhöfer
Schramm
R. Müller
Trainer: Hans Carl
Trainer: -
Spielstatistik
Tore: 0:1 Weigel (67.), 0:2 Weigel (73.), 1:2 Hutfles (77.) - Bes. Vork.: Schmied verschießt Foulelfmeter - Schiedsrichter: Fiershauser (Karlsruhe) - Zuschauer: 2.000
Spielbericht

Allein sieben Lattenschüsse

Nur zehn Zentimeter hätten die Torlatten im Auestadion über das normale Maß hinausgehen müssen und ein KSV-Sieg wäre am Platz geblieben. Denn siebenmal krachten die Geschosse der Schmied, Hutfles, Metzner und Grabsch unter, gegen oder vor das den Einschuß sperrende Lattenkreuz. Zu allem Überfluß stand auch einem Metzner-Nachschuß noch der Pfosten im Wege. So blieb es bei dem einen Hessen-Treffer, den der nach vorn geeilte Hutfles in alter Meisterschaft ins Netz nickte. Da aber die Gäste durch eine Tor-Doublette des fülligen, aber fleißigen und schnellen Weigel vorher klar in Front gegangen waren, nahmen sie auch zwei Punkte mit nach Bayern und schlossen damit die Serie mit einem Erfolg im Kasseler Auestadion ab, in dem sich 2000 Zuschauer verloren und nur zeitweilig Anregung fanden, die eigene Elf anzufeuern.

Denn sie sahen keine Fußball-Delikatesse nicht einmal gut gebotene Hausmannskost, sondern schmeckten eine Suppe ohne Salz; Gulasch ohne Paprika. Obwohl es zunächst so aussah, als würde Grabsch nach einem Slalomlauf vom Mittelanstoß bis zum gegnerischen Tor das Gericht mit einer ordentlichen Prise Pfeffer würzen.

Elfmeter-Auftakt

Doch dem einschußbereiten Grabsch zogen die eisenharten Mannen aus Bayern die Beine weg. Der von Schmied scharf geschossene Elfmeterball sauste unter die Latte, setzte mit Effet auf der Torlinie auf, rollte unendlich langsam in den Strafraum zurück und dann beförderte der riesige, langbeinige Stopper Hörath das Leder aus der Gefahrenzone.

Nach diesem knalligen Auftakt schleppte sich das Spiel mühsam hin. Die Hessen lahmten am rechten Flügel, aber auch beide Innenstürmer versetzten keine Berge. Pilz war wie beim Spiel gegen Bayern München bei einem messerscharf deckenden Mittelläufer gut aufgehoben, Grabsch ließ seinem Eigensinn freie Bahn. Michel gab nach gutem Start nach und Vollmer hatte auch nicht seinen einsatzfreudigsten Tag. Das Hessen-Stürmchen säuselte - mehr nicht. Doch auch die Bayern-Stürmer schienen von den meisten guten Fußballgeistern verlassen.

Urplötzlich: Weigel-Tore

So ging es torlos in die Pause: die zweite Halbzeit begann ruhig und dann knallte ganz plötzlich der ungedeckte Weigel einmal von links und dann von rechts dem zu spät reagierenden Schubert zwei Treffer ins Netz,

„Schmied und Hutfles an die Front", alarmierte Trainer Carl vom Spielfeldrand. Michel ging ins Abwehrzentrum, Pilz in Verteidigerstellung und endlich kam mehr Schwung in die Angriffe. Nach einer Eckenserie glückte Hutfles der Anschlußtreffer, wenige Minuten später köpfte er einen weiteren Eckball an die Latte. Den Metzner-Nachschuß aus nächster Nähe hielt - der Pfosten.

Der Bayern-Sieg war nicht unverdient. Die Mannschaft spielte kampfkräftiger, brachte einen gut harmonierenden Innensturm aufs Feld - der aber nicht schießen konnte - und hatte in Dorn einen guten Aufbauläufer. Überragend (nicht nur an Körpergröße) Mittelläufer Hörath.

Die Hessen wirkten ausgepumpt. Lediglich Hutfles und Deeg fanden ihre Form. Warum der zweifache Torschütze Weigel allerdings zweimal völlig ungedeckt stand, dürfte auch der KSV-Abwehr kein Rätsel sein. Denn sie spielte manchmal sträflich offen. Immerhin: es war das letzte Spiel, und nichts mehr drin.

Die schönsten Szenen: (10.) Pilz allein vor dem Tor, Winterling irrt im Strafraum herum, läuft mit dem Hessen-Mittelstürmer bis zur rechten Eckfahne, hält Schulz am Bein fest. Den Freistoß jagt Gala gegen den Pfosten. (12.) Schubert rettet vor Winterstein. (22.) Grabsch nicht zu bremsen, der ausflugsfreudige Winterling läuft mit ihm zur linken Eckfahne, Grabsch gibt eine flache Flanke, aber der Hessen-Sturm „schwimmt”. Niemand nimmt den Ball auf. (31.) Schneller Volmar schießt von links - abgewehrt. (36.) Pilz löst sich (einmal) vom Bewacher, flankt, aber wieder ist niemand mitgelaufen. Der Hinterhaltsschuß Michels geht am Tor vorbei. (61.) Pilz köpft am Tor vorbei. (73.) Metzners Schuß kracht von unten gegen die Latte, Ball springt in den Strafraum. (78.) Hutfles köpft, trifft das Lattenkreuz.

Quelle: Hessische Nachrichten vom 03.06.1957