KSV Hessen im Semifinale
Dieser 2:1-Sieg der Hessen
gegen Hof ist kein Ruhmesblatt in der Pokalkampfgeschichte,
dafür nahm er, obwohl die Kasseler
nun unter den letzten süddeutschen
Vier sind, ein zu unbefriedigendes Ende.
Einmal deshalb, weil die Bayern ihren Torhüter
Felleiter durch Verletzung und Wellhöfer
wegen Foulspiels verloren, zum andern aber,
weil es die Hessen nicht fertig brachten,
gegen neun Mann ein Tor zu schießen,
vielmehr noch eines hinnehmen und in den
letzten Minuten sogar besorgt sein mußten,
daß nicht noch der Ausgleich fiel.
Zwar ist es nicht immer leicht, das richtige
Rezept gegen neun Mann zu finden, aber es
war doch beschämend, daß nichts
mehr gelang, sondern das Spiel immer planloser
wurde, was das Publikum mit Pfiffen und
Anfeuerungsrufen für die Hofer quittierte
und dadurch noch mehr zur allgemeinen Verwirrung
beitrug.
Dabei fing es so gut an.
Temperamentvoll und mit einer erstaunlichen
Pokalhärte (vielfach war es unfair)
gingen die Bayern in den Kampf. Die Hessen
waren aber ebenfalls recht gut da und hatten
auch ein leichtes Übergewicht was sich
in zwei Ecken ausdrückte. Das dauerte
aber nur bis zur 20. Minute. In der 16.
Minute hatte Michel einen Freistoß
vors Tor gegeben, den Felleiter, von Schulz
angegriffen, nur abklatschen konnte. Dörings
harter Schuß saß im Netz.
Felleiter, Wellhöfer
heraus
Wenige Minuten später
prallte bei einer Abwehr Felleiter mit seinem
Stopper Hörath zusammen. Er blieb liegen
und schied aus. Sein Versuch, nach der Pause
als Rechtsaußen dauerte nur zwei Minuten,
die Nierenschmerzen waren doch zu groß.
Für ihn ging Hüttner ins Tor.
Nachdem Wellhöfer vor dem Hessentor
einen Ball an die Latte geköpft hatte,
brachten die Hessen nach einem Getümmel
vor dem Hofer Tor den Ball über die
Linie, aber aus unerfindlichen Gründen
gab Heller Abstoß. Weigel verursachte
dann mehrere Fouls, und als Wellhöfer
Hutfles gefoult hatte, mußte der Bayer
vom Platz.
Damit waren Hofs Hoffnung
auf den Nullpunkt gesunken, zumal vorher
Schmied, als Büttner einen Weitschuß
von Döring nicht festhalten konnte,
im Nachschuß einen zweiten Treffer
erzielt hatte.
Daß die Hofer nach
der Pause zunächst auf Torsicherung
bedacht waren, konnte ihnen niemand verdenken.
Die Hessen versuchten zu weiteren Treffern
zu kommen, spielten aber zunächst zu
lasch und fanden nie das richtige Rezept,
die Gästeabwehr aufzubrechen. Als dann
jeder auf eigene Faust sein Glück versuchte,
zerriß immer mehr der Zusammenhang,
und das Spiel wurde von Minute zu Minute
planloser. Zwar hatte Döring Hüttner
mit dem Ball über die Linie gedrückt,
aber auch diesem Tor versagte Heller die
Anerkennung. Immer mehr riß der Faden
bei den Hessen. Planlos jede Aktion und
Schüsse ins Blaue, und das ließ
Hofs Widerstand aufkeimen. Mit einem Bäreneifer
setzten sich die Hofer jetzt ein, und es
gelang ihnen immer mehr die Verwirrung bei
den Hessen zu steigern. Döring kam
zweimal allein stehend an Hüttner nicht
vorbei. Daß schließlich der
Eifer in der 85. Minute durch ein Weigel-Tor
zum Ausdruck kam, war nur zurecht, und beinahe
hätten die stürmischen Angriffe
der Gäste auch noch zum Ausgleich geführt.
Was die Hessen nach der Pause boten, war
schon blamabel. Sie können diese Scharte
nur durch eine große Leistung im Vorschlußrundenspiel
um den Pokal auswetzen.
Schiedsrichter Heller
(Stuttgart) - immer schon kritisch betrachtet
- konnte in keiner Weise die Anforderungen
erfüllen, die man an einen Schiedsrichter
für solche Spiele stellen muss.
Quelle: Hessische Nachrichten
vom 01.04.1957