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<<< 32. Spieltag
2. Liga Süd 1955/56, 33. Spieltag

KSV Hessen Kassel - Karlsruher FV

3:0 (2:0)

Sonntag, 06.05.1956
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
Karlsruher FV
Eglin
Ehrmann II
Held
Baumgärtner
Rösch
Eisemann
Schäffner
Stuts
Laufer
Ehrmann I
Alker
Trainer: Walter Koch
Trainer: -
Spielstatistik
Tore: 1:0 Dinger (29.), 2:0 Schmied (40., Handelfmeter), 3:0 Metzner (54.) - Schiedsrichter: Eberhard (Stuttgart) - Zuschauer: 2.500
Spielbericht

Buchholz-Paraden und 3 feine Tore

Die Abschiedsvorstellung der Hessen für die Serie 55/56 vor heimischem Publikum war eine Kopie des Spiels gegen Hanau: Nur mit dem einen Unterschied, daß man diesmal die Tore nicht an den Anfang, sondern hübsch um die Halbzeit herumgruppierte. Alles übrige - wie gehabt. Die hochsommerliche Hitze über dem Auestadion tat ein übriges, Tempo und Einsatzfreude zu drosseln und beeinflußte außerdem sichtlich die Sorgfalt des Paß- und Kombinationsspiels. Als absolute Höhepunkte ragten auch diesmal die drei Tore aus durchweg nur mittelmäßigen Leistungen heraus. Doch wir wollen nicht zu viel verlangen: die Serie ist "gelaufen". Nimmt es Wunder, daß die Spieler sich kein "Bein mehr ausreißen"?

Einer allerdings hechtete mit Vehemenz und Bravour durch seinen Torraum, als ob es um die Deutsche Meisterschaft ginge: Buchholz! Er hielt fehlerlos, reaktionsschnell und verblüffend griffsicher.

Es tat zu Anfang aber auch nötig, denn die Karlsruher preschten wie 100-m-Läufer aus den Startlöchern.

Die flinken Außen, der wendige Läufer, der alte Fuchs Ehrmann (auch mit schütterem Haar ist er am Ball noch immer reine Klasse) attackierten mit verblüffender Energie und viel Kombinationswitz. Buchholz erhielt sofort Schwerarbeit. Er erledigte sie souverän. Auch Trott und Knothe waren sofort im Bilde - der KFV-Ansturm zerschellte.

Wende, als Ehrmann mit schmerzverzerrtem Gesicht (Handstauchung) für 6 Minuten vom Platz mußte: Schmieds von der Torauslinie bildschön zurückgezogene Flanke rammte Dinger in vollem Lauf unter Eglin ins Netz: 1:0 für die Hessen und deutlicher Auftrieb.

Fünf turbulente Minuten

Steigerung bis zur Halbzeit mit absoluten Höhepunkten in den letzten fünf Minuten vor dem Pausenpfiff. Binnen fünf Minuten notierten wir:

Schmied-Fallrückzieher von Ehrmann II auf der Torlinie gestoppt, Schmied-Flachbombe kann Eglin nicht festhalten. Schulz donnert den Nachschuß aus 5 Metern an der langen Ecke vorbei, Schmied-Schrägschuß kann Eglin nur fausten, Dingers anschließende unhaltbare Volley-Bombe stoppt Held mit der Hand: Elfmeter! Der "Seppi" will endlich sein Tor: halbloch jagd Schmied den Strafstoß in die rechts Ecke: 2:0. - Und noch eine, die größte Hessen-Chance: Grabsch und Dinger frei vor Eglin - doch Eberhard tippt dem KFV-Schlußmann das Leder genau in den Schoß. - Pausenpfiff.

KFV-Abwehr stand wie Salzsäulen

Groteske um das dritte Hessen-Tor: Schmied flankt parallel zur Torlinie über Eglin hinweg, Grabsch holt das Leder mit Rückzieher ins Spielfeld, Metzner vor die Füße - und "Gala" setzt das Leder völlig ungeschoren mit Seelenruhe in die lange Ecke.

Die Karlsruher standen wie die Salzsäulen. Sie hatten einen Abseitspfiff erwartet, aber völlig übersehen, daß Grabsch und auch Dinger sich geistesgegenwärtig durch Überschreiten der Torlinie selbst aus dem Spiel gebracht hatten.

Mit diesem Tor war das Rennen gelaufen. Noch einmal stand Grabsch allein vor Eglin, diesmal stieg das Leder hoch in den sommerlichen Himmel - dann waren Spieler und Zuschauer froh, als der Schlußpfiff ertönte. Deshalb sei bitte auch verziehen, daß wir den kritischen Maßstab beiseite liegen lassen. Die Hessen gewannen durchaus verdient - und das war doch die Hauptsache.

Ullrich Braun (Hessische Nachrichten vom 07.05.1956)