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<<< 31. Spieltag
2. Liga Süd 1955/56, 32. Spieltag

KSV Hessen Kassel - FC Hanau 93

2:1 (2:1)

Sonntag, 29.04.1956
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
FC Hanau 93
Henß
Fischer
Wörner
Berger
Ehrhardt
Pinther
Bonaventura
Holzapfel
Böckler
Sievers
Geiger
Trainer: Walter Koch
Trainer: -
Spielstatistik
Tore: 1:0 Dinger (3.), 2:0 Schmied (9.), 2:1 Holzapfel (24.) - Schiedsrichter: Rodenhausen (Gießen) - Zuschauer: 4.000
Spielbericht

Hessen begannen wie die Himmelstürmer

Der Kummer gewohnte Stammplatz-Besitzer auf der Auestadion-Tribüne sollte recht behalten mit seiner ärgerlich-bissigen Bemerkung, als er sich mit zehnminütiger Verspätung neben seine Freunde schob: "Na, da sehe ich ja nur noch ein Hanauer Tor." Genauso kam es! - Die Hessen hatten alle Proben ihrer Kombinations- und Schießkunst in die ersten zehn Minuten des Spiels gepackt. Was es dabei zu sehen gab, entfesselte überschäumende Wogen der Begeisterung und des Jubels. Zwei Prachttore, in Vorbereitung und Vollendung makellos wie ein 18karätiger Diamant, schienen den Hanauern eine Katastrophe anzukündigen. Aber es schien nur so. Noch eine Volley-Bombe von Grabsch, die Hanaus Schlußmann allerdings genau auf den Leib knallte - dann war es aus. Von Minute zu Minute mehr verflachte das Spiel in systemloser Kickerei und erholten sich die Hanauer immer sichtbarer von den Keulenschlägen der beiden Tore. Die zweite Halbzeit brachte ein nahezu ausgeglichenes Spiel, aber die Tore fielen nicht mehr, so erfreulich oft auch die Hessen das Schußbein noch schwangen.

Mit unverdrossenem Schießen allein war jedoch dieses Spiel nicht zu gewinnen. Dafür verstand der graßgrüne Henß im Gästetor zu viel von der Kunst des richtigen Stellungsspiels. Ob Dinger sich versuchte (und einmal auch eine "Fackel" alten Kalibers richtig unter die Latte visierte), Schmied und Grabsch durch schmale Lücken in der Hanauer Abwehr hindurchspitzelten, Metzner volley schoß Henß stand immer richtig.

Großartiger Auftakt

Wie es gemacht werden mußte, hatten die Hessen selbst in diesen sensationellen Anfangsminuten vorexerziert. Flankenläufe von Grabsch und Schulz, sauberes Hereinheben des Balles zur Mitte, dort spritzten Dinger bzw. Schmied hinzu - Tor!

Später sah man ähnliches leider nicht mehr. Schulz spielte am rechten Flügel Stiefkind (dabei hatte er den wesentlich schwächeren Verteidiger gegen sich!) und Grabsch wurde von dem eisernen Fischer immer wieder zur Mitte abgedrängt. Dort fummelte aber Dinger viel zu lange mit dem Ball, dort verhäkelten sich Schmied und Metzner in allzu engen Kombinationsversuchen, die nachdrängenden Michel und Deeg haben auch schon besser abgespielt - die Minuten verrannen.

Ein Glück, daß auch die Hanauer keine Bäume ausreißen. Der kleine Sievers war ihr bester Mann, aber auch er konnte seine Kameraden nicht zu einer geschlosseneren Leistung als die des Hessen-Sturms beflügeln.

Buchholz geriet einige Male in Schwierigkeiten, zweimal verfehlte er beispielsweise blitzsaubere Flanken, dafür waren Knothe und der wieder verläßlich stoppende Trott zur Stelle und beförderten den Ball aus dem Gefahrenbereich.

Aus der diesmal sechzig Minuten dauernden Schlußphase ragten allein noch das bemerkenswert schnelle Tempo des Spiels und eine "Meisterprüfung" von Henß heraus.

Binnen eine Minute faustete er eine Dinger-Fernbombe aus dem Dreieck, wehrte einen Grabsch-"Abstauber" reaktionsschnell mit dem Fuß ab und erhechtete sich beifalls-unterstützt auch noch den besten Schuß von Seppl Schmied.

Schiedsrichter Rodenhausen pfiff ordentlich.

Ullrich Braun (Hessische Nachrichten vom 30.04.1956)