Die Hessen in München
wie in Oberligazeiten
13000 gespannte Zuschauer
staunten aber die ausgezeichnete Mannschaftsleistung
der Kasseler, die ihrem Ruf treu blieben
und in München - wie schon in den Vorjahren
eines ihrer besten Spiele der Saison zeigten.
Wieder war es - wie in der letzten Saison
- ein Elfmeter, der sie nach brillanter
Abwehr erst nach über 70 Minuten Spielzeit
zur Strecke brachte. Wie eine Kopie aus
dem letzten Münchener Spiel mutete
es an, als auch diesmal wieder der Schiedsrichter
vor eine entscheidende Frage gestellt wurde,
die er zugunsten der Münchener entschied.
In der 8. Minute bereits
setzte Kassels Halbrechter Dinger an einer
nervösen Abwehr vorbei aufs Tor, der
auf oder doch schon hinter der Linie landete,
jedoch keine Anerkennung als Erfolg fand.
Beängstigend aber war es, wie die Gäste
weiterhin mit pausenlosem Einsatz auftrumpften
und im Münchener Strafraum Schreckminute
auf Schreckminute verursachten. "Gala"
Metzner war "Hans in allen Gassen",
bediente seine Nebenleute mit haargenau
servierten Bällen, half - wenn Not
am Mann war - in der Deckung aus und hatte,
wie seine Stürmerkameraden, mit einigen
Schüssen Pech.
Die Hessen spielten im
alten Oberligaformat und rangen um jeden
Meter Boden, als gelte es für sie und
nicht für die Bayern um die Meisterschaft
oder um den Aufstieg.
Trott
stellte Velhorn kalt
Michel als rechter Läufer
inszenierte geschickt, Trott als Stopper
ließ Velhorn in der ganzen ersten
Halbzeit nur einmal zu einem seiner gefährlichen
Kopfbälle kommen. Dabei hatte allerdings
Kassel dank seines Tormanns Buchholz Glück,
als der Münchener Mittelstürmer
die zu hart angesetzte Flanke seines Ersatz-Rechtsaußen
Meier um Streichholzlänge "drehte".
Längere Zeit nach
der Pause beherrschten die kompromißlosen
und schlagsicheren Gästeverteidiger
den Münchener Angriff. Ja, Kassel hätte
sogar gleich nach Halbzeit in Führung
gehen können, aber einmal riß
der Münchener Torhüter Hoffmann
einen Eckball souverän an sich, gleich
darauf griff er in ähnlicher Art einen
Freistoß aus dem Getümmel vor
dem Tor. Schon glaubte man, die Münchener
würden resignieren, als auch eine Umstellung
mit Velhorn als Rechtsaußen und Meter
als Mittelstürmer nicht das erhoffte
Wunder brachte.
Entscheidende
73. Minute
Es kam dann in der 73.
Minute in Gestalt eines Elfmeters. Knothe
brachte den Münchener Halbrechten Hahn
II zu Fall. Wie vom Blitz getroffen sackte
in gleicher Sekunde Stopper Trott, von einem
Fausthieb Meiers getroffen, zu Boden. Während
Hahn II und Trott noch von den Sanitätern
behandelt wurden, verwandelte Lette den
Elfmeter zum 1:0.
Wieder mit kompletter
Mannschaft hielt Kassel das Spiel weiterhin
ausgeglichen. Die folgende leichte Überlegenheit
der Münchener fand in einem gut angesetzten
Kopfball von Velhorn und einem an der Torlinie
entlang streichenden Schuß von Meier
Ausdruck, bis dann in der 81. Minute Ersatzlinksaußen
Huber I auf Zuspiel von Lette mit einem
Kopfball das zweite Tor erzielte, das für
die 13 000 wie eine Erlösung wirkte.
Noch einmal griffen die
Gäste an, aber Torwart Hoffmann verwehrte
bei einem Kopfball des nun mitstürmenden
Außenläufers Michel den an sich
längst verdienten Gegentreffer der
Hessen, die sich in München viel Respekt
verschafft haben.
Quelle: Hessische Nachrichten
vom 23.04.1956