Hessen konnten
2:0-Führung nicht halten
Kopfschüttelnd gingen
die Zuschauer vom Platz. Sie gönnten
ihrer Mannschaft von ganzem Herzen die beiden
Punkte, doch blieb ihnen völlig schleierhaft,
wie die hervorragend spielenden Hessen diese
Auseinandersetzung - noch - verlieren konnten.
Die Gäste beherrschten nach 20 Minuten
ihren Gegner so klar, so zwingend, daß
es manchmal aussah, als könnte es eine
Katastrophe für den Tabellenvorletzten
geben. Die verdiente 2:0-Führung war
Ausdruck einer spielerischen und taktischen
Überlegenheit gegen einen zahlreiche
Schwächen aufweisenden Gegner. Dieser
hatte zwar zu Beginn des Spieles einige
gute Torchancen, die allerdings alle vergeben
wurden, doch kam die Elf über mittelmäßige
Leistungen in den 90 Minuten niemals hinaus.
Wenn es dennoch nach rund
einer Stunde 2:2 hieß, so war hierfür
maßgebend, daß die Männer
um Metzner jetzt den letzten Druck hinter
ihren Aktionen vermissen ließen und
ferner betont an ihrer offensiven Spielweise
festhielten. Es sah schon ganz nach einem
Unentschieden aus. Da unterlief jedoch zwei
Minuten vor dem Abpfiff bei einem Getümmel
im Strafraum einem Kasseler Abwehrspieler
ein Handspiel und die Chance ließ
sich Riedel nicht nehmen.
Damit war ein Ergebnis
zustande gekommen, das in umgekehrtem Verhältnis
zu den gezeigten Leistungen stand.
In der Mannschaft der Hessen
gab es keinen ausgesprochenen Versager.
Unverständlich blieb, warum Grabsch
so wenig bedient wurde. Gerade er hatte
in den ersten 10 Minuten mit gefährlichen
Flankenläufen für erhebliche Verwirrung
in der einheimischen Abwehr gesorgt.
Einen großen Tag
hatte Schulz. Er schoß nicht nur beide
Tore, sondern hatte sogar in der 11. Minute
noch Pech mit einem Pfostenschuß.
Verschiedentlich brachte
auch Schmied gefährliche Schüsse
an. Dinger und Metzner bauten vorzüglich
auf und hatten großen Anteil daran,
daß die Heimbrechtser nur selten mit
geschlossenen Aktionen aufwarten konnten.
Hutfles hielt zusammen mit dem zufriedenstellend
einschlagenden Vollmer und Trott den Gästesturm
in Schach, auch Michel und Deeg bewältigten
zufriedenstellend ihr Pensum gefielen durch
genaue Ballabgaben, aber Deeg hatte mit
dem gefährlichen Riedel doch seine
liebe Not. Keines der drei Tore war für
den reaktionsschnellen Schubert zu halten.
Schiedsrichter Tschenscher
leitete das Treffen, das schnell und spannend
war zudem zahlreiche Höhepunkte aufwies,
sehr gut.
Quelle: Hessische Nachrichten
vom 09.04.1956