Hessen-Kampfgeist
kannte kein Resignieren
Es ist eine alte Tatsache,
daß der KSV Hessen gegen starke Mannschaften
immer eine gute Leistung zeigt, und das
Spiel gegen den Spitzenreiter der 2. Liga
Süd, den Freiburger FC, erbrachte dafür
erneut den Beweis, und 8000 Zuschauer freuten
sich, einen schönen Leistungsanstieg
nach prächtigem Kampf konstatieren
zu können. Es war ein kampfbetontes
und stellenweise auch hartes Spiel, ohne
aber bis auf zwei Ausnahmen des Freiburgers
Herr unfair zu sei. Eines wollen wir gleich
feststellen, der Sieg der Hessen ist vollauf
verdient, denn über weite Strecken
waren sie die klaren Beherrscher des Spielfelds,
wenn auch die Freiburger den Hessen durch
ihre Defensivtaktik nach dem Überraschungstor
diese Überlegenheit zunächst leicht
machten. Als sie dann aber selbst im Rückstand
waren, vermochten sie sich nicht mehr so
durchzusetzen, wie sie es wohl gewollt hatten,
denn gerade dann ließ der Elan der
Hessen in keiner Weise nach.
Freiburgs falsche
Taktik
Es gab doch viele erschreckte
Mienen, als schon in der dritten Minute
nach einer vorbildlich zügigen Kombination
Wächter den Ball an dem etwas herausgelaufenen
Schubert vorbei ins Netz schoß. Das
kann ja heiter werden, so dachten sicherlich
viele, denn dieser Angriffszug war so gekonnt
und so schön, daß man den Freiburgern
schon gern glaubt, daß sie vornstehen.
Da aber machten die Gäste wohl den
entscheidenden Fehler. Sie machten hinten,
froh, ob des Erfolges, dicht und glaubten
ihr Heil in schnellen Vorstößen
über die Flügel suchen zu müssen.
Gewiß waren sie auch bei diesen Spielzügen
mit einer aufopfernd rackernden Läuferreihe
sehr oft gefährlich, aber hinten war
es bei den Hessen dicht, und auch deren
Läuferreihe verstand es wirkungsvoll
zu kontern.
Allerdings machten die
Hessen auch einen Fehler. Sie wollten mit
dem Kopf durch die Wand, d. h. sie rannten
sich immer wieder in der Mitte fest, und
wenn ein Flügel in Szene gesetzt wurde,
dann der etwas schwächere rechte, während
Grabsch, der in Hammel einen stämmigen
Widerpart hatte, auf seinem Posten ziemlich
versauerte. So kam es zwar nach dem Erfolg
der Freiburger zu vier Ecken für die
Hessen, die aber ebenso erfolglos ausgingen,
wie alle anderen Angriffe.
Wende
nach der Pause
Der Paukenschlag, den
die Hessen gleich zu Beginn hatten hinnehmen
müssen, wiederholte sich diesmal nach
dem Wechsel auf der anderen Seite. Es war
nur eine Minute vergangen, als Bechtel den
Ball im Strafraum der Freiburger mit der
Hand berührte, Reil zeigte auf den
Elfmeterpunkt. Uns erschien diese Entscheidung
etwas hart, denn es schien so, als habe
Bechtel nicht absichtlich Hand gemacht oder
so eine kritische Situation bereinigen wollen.
Nun, Schmied ließ sich diese Ausgleichschance
nicht entgehen. Natürlich etwas Verwirrung
bei den Freiburgern und wenige Minuten später
strebte Grabsch, nachdem er den Stopper
abgeschüttelt hatte, allein dem Tor
zu. Adolph lief ihm entgegen, und so kurvte
Grabsch zu weit nach außen. Seine
Vorlage beseitigte Ketterer. Aber gleich
darauf gab Grabsch eine Flanke herein, die
Dinger aufs Tor schoß. Hammel, Schulz
und Adolph konnten alle drei das Leder nicht
erreichen, und so war Nr. 2 gefallen.
Freiburgs
schwache Offensive
Die mit Recht nun erwartete
Offensive der Freiburger war schwächer,
als man geglaubt hatte, aber es war auch
das Verdienst der Hessen-Läuferreihe,
daß die Gäste nicht aufkamen
und sich nur auf Durchbrüche beschränken
mußten. Auch in dieser Situation blieb
es dabei, daß die Hessen das Heft
in der Hand hatten. Zwar mußten sich
Schubert und die Verteidigung mehrfach einsetzen,
aber auch auf der anderen Seite gab es genügend
zu tun, wenn auch einige Schüsse von
Dinger und Metzner über den Kasten
gingen. Wir wollen uns eine Einzelkritik
der Mannschaft ersparen, aber feststellen,
daß sie eine prächtige kämpferische
Gesamtleistung gezeigt hat, bei der alle
mitwirkten, und das hat man doch so lange
nicht sagen können.
Schiedsrichter Reil (Weiden)
traf manche Fehlentscheidung, aber es war
gut, daß keine von ihnen spielentscheidend
war.
Vor dem Spiel eine kleine
Ehrung für Erich Knothe, der das 350.
Ligaspiel für den KSV Hessen absolvierte
und nach einer Viertelstunde eine Gedenkminute
für den in der Nacht verstorbenen Oberbürgermeister
von Freiburg.
Quelle: Hessische Nachrichten
vom 26.03.1956