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<<< 27. Spieltag
2. Liga Süd 1955/56, 28. Spieltag

KSV Hessen Kassel - Freiburger FC

2:1 (0:1)

Sonntag, 25.03.1956
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
Freiburger FC
Adolph
Hammel
Ketterer
Bechtel
Diehl
Fangmann
Faber
Herr
Wächter
Lehmann
Deschner
Trainer: Walter Koch
Trainer: -
Spielstatistik
Tore: 0:1 Wächter (3.), 1:1 Schmied (46., Handelfmeter), 2:1 Dinger (50.) - Ecken: 8:3 - Schiedsrichter: Reil (Weiden) - Zuschauer: 8.000
Spielbericht

Hessen-Kampfgeist kannte kein Resignieren

Es ist eine alte Tatsache, daß der KSV Hessen gegen starke Mannschaften immer eine gute Leistung zeigt, und das Spiel gegen den Spitzenreiter der 2. Liga Süd, den Freiburger FC, erbrachte dafür erneut den Beweis, und 8000 Zuschauer freuten sich, einen schönen Leistungsanstieg nach prächtigem Kampf konstatieren zu können. Es war ein kampfbetontes und stellenweise auch hartes Spiel, ohne aber bis auf zwei Ausnahmen des Freiburgers Herr unfair zu sei. Eines wollen wir gleich feststellen, der Sieg der Hessen ist vollauf verdient, denn über weite Strecken waren sie die klaren Beherrscher des Spielfelds, wenn auch die Freiburger den Hessen durch ihre Defensivtaktik nach dem Überraschungstor diese Überlegenheit zunächst leicht machten. Als sie dann aber selbst im Rückstand waren, vermochten sie sich nicht mehr so durchzusetzen, wie sie es wohl gewollt hatten, denn gerade dann ließ der Elan der Hessen in keiner Weise nach.

Freiburgs falsche Taktik

Es gab doch viele erschreckte Mienen, als schon in der dritten Minute nach einer vorbildlich zügigen Kombination Wächter den Ball an dem etwas herausgelaufenen Schubert vorbei ins Netz schoß. Das kann ja heiter werden, so dachten sicherlich viele, denn dieser Angriffszug war so gekonnt und so schön, daß man den Freiburgern schon gern glaubt, daß sie vornstehen. Da aber machten die Gäste wohl den entscheidenden Fehler. Sie machten hinten, froh, ob des Erfolges, dicht und glaubten ihr Heil in schnellen Vorstößen über die Flügel suchen zu müssen. Gewiß waren sie auch bei diesen Spielzügen mit einer aufopfernd rackernden Läuferreihe sehr oft gefährlich, aber hinten war es bei den Hessen dicht, und auch deren Läuferreihe verstand es wirkungsvoll zu kontern.

Allerdings machten die Hessen auch einen Fehler. Sie wollten mit dem Kopf durch die Wand, d. h. sie rannten sich immer wieder in der Mitte fest, und wenn ein Flügel in Szene gesetzt wurde, dann der etwas schwächere rechte, während Grabsch, der in Hammel einen stämmigen Widerpart hatte, auf seinem Posten ziemlich versauerte. So kam es zwar nach dem Erfolg der Freiburger zu vier Ecken für die Hessen, die aber ebenso erfolglos ausgingen, wie alle anderen Angriffe.

Wende nach der Pause

Der Paukenschlag, den die Hessen gleich zu Beginn hatten hinnehmen müssen, wiederholte sich diesmal nach dem Wechsel auf der anderen Seite. Es war nur eine Minute vergangen, als Bechtel den Ball im Strafraum der Freiburger mit der Hand berührte, Reil zeigte auf den Elfmeterpunkt. Uns erschien diese Entscheidung etwas hart, denn es schien so, als habe Bechtel nicht absichtlich Hand gemacht oder so eine kritische Situation bereinigen wollen. Nun, Schmied ließ sich diese Ausgleichschance nicht entgehen. Natürlich etwas Verwirrung bei den Freiburgern und wenige Minuten später strebte Grabsch, nachdem er den Stopper abgeschüttelt hatte, allein dem Tor zu. Adolph lief ihm entgegen, und so kurvte Grabsch zu weit nach außen. Seine Vorlage beseitigte Ketterer. Aber gleich darauf gab Grabsch eine Flanke herein, die Dinger aufs Tor schoß. Hammel, Schulz und Adolph konnten alle drei das Leder nicht erreichen, und so war Nr. 2 gefallen.

Freiburgs schwache Offensive

Die mit Recht nun erwartete Offensive der Freiburger war schwächer, als man geglaubt hatte, aber es war auch das Verdienst der Hessen-Läuferreihe, daß die Gäste nicht aufkamen und sich nur auf Durchbrüche beschränken mußten. Auch in dieser Situation blieb es dabei, daß die Hessen das Heft in der Hand hatten. Zwar mußten sich Schubert und die Verteidigung mehrfach einsetzen, aber auch auf der anderen Seite gab es genügend zu tun, wenn auch einige Schüsse von Dinger und Metzner über den Kasten gingen. Wir wollen uns eine Einzelkritik der Mannschaft ersparen, aber feststellen, daß sie eine prächtige kämpferische Gesamtleistung gezeigt hat, bei der alle mitwirkten, und das hat man doch so lange nicht sagen können.

Schiedsrichter Reil (Weiden) traf manche Fehlentscheidung, aber es war gut, daß keine von ihnen spielentscheidend war.

Vor dem Spiel eine kleine Ehrung für Erich Knothe, der das 350. Ligaspiel für den KSV Hessen absolvierte und nach einer Viertelstunde eine Gedenkminute für den in der Nacht verstorbenen Oberbürgermeister von Freiburg.

Quelle: Hessische Nachrichten vom 26.03.1956