Kampfgeist + Taktik
= ein Punkt für KSV
Daß man eine solche
"Heimmannschaft" mit Ersatzleuten
für Knothe, Hellwig und Müller
nicht in "offener Feldschlacht"
besiegen konnte, war den Hessen klar. So
mußte die Taktik helfen. Und sie "haute
hin"! Man ließ den als Halbrechten
nominierten Franz Dinger Stopper spielen
und hielt Karl Hutfles als Ausputzer, als
letzte Rettung, im eigenen Strafraum in
Reserve. Das ging natürlich auf Kosten
eines geschlossenen Stürmerspiels,
aber die vorn verbleibenden Angriffsspitzen
Schmied und Grabsch sowie Metzner und Schulz
hielten den Ball nicht lange, spielten schnell
und steil ab, und so wurden mit diesem Sturmtorso
immerhin so viel Tormöglichkeiten herausgespielt
wie seit langem nicht mehr.
Den Hanauern lag diese
Einstellung ihres Gegners gar nicht. Das
Spiel der 93er lief nicht wie gewohnt, obwohl
beide Flügelstürmer, Bonaventura
und Geier sowie der Halblinke Günther
und vor allem der linke Verteidiger Erhard
überdurchschnittliche Leistungen boten.
In der Hessen-Elf gab es
keinen Ausfall. Imponierend vor allem der
Kampfgeist der ganzen Mannschaft, die allein
deshalb den einen Punkt verdient hat! Buchholz
erledigte alle Aufgaben in Ruhe und mit
Sicherheit. Die Befürchtung, daß
der junge, körperlich schwere Amateur
Schilling den gefährlichen Torjäger
Bonaventura nicht würde halten können,
erwiesen sich als unbegründet. Ebenso
wie der zuverlässige Allroundmann "Patte"
Trott war er schlagsicher und aufmerksam.
Erfreulicherweise zeigte auch diesmal Hans
Michel als Seitenläufer eine ausgezeichnete
Leistung. Der Sturm beschränkte sich
- das war der taktische Plan - bewußt
auf Einzelaktionen, so daß die, die
schöne und fließende Kombinationen
von den Kasselern sehen wollten, natürlich
vergeblich warteten. Aber wie oft sind die
Hessen "in Schönheit gestorben",
ohne einen Punkt zu erobern?!
Nach stürmischen
Angriffen der Hanauer hatte Schulz in der
ersten Viertelstunde schon zwei Schußchancen,
und ein Weitschuß Deegs strich über
die Querlatte. Buchholz mußte bei
einer Ecke und einem Freistoß ins
"Getümmel", um den Hanauer
Führungstreffer zu verhindern, aber
auch auf der Gegenseite hatte Henss Glück,
daß Grabsch und Schmied ihre Aktionen
nicht mit einem Treffer abschlossen. Nach
dem Wechsel setzten die Hanauer sofort alles
auf eine Karte, aber die Abwehr mit dem
Bollwerk Dinger-Hutfles in der Mitte hielt.
Als eine Kurzpaßkombination in der
70.Minute Schmied in Schußposition
brachte, hieß es 1:0 für die
Hessen! Drei Minuten später strich
ein Freistoß dicht an Buchholz' Tor
vorbei, doch 10 Minuten vor Schluß
erwischte Erhard das Leder und schoß
unhaltbar zum Ausgleich ein. Grabsch und
Schulz waren noch je einmal dicht am Erfolg,
aber es reichte nicht ganz.
Quelle: "Sport am
Montag" vom 19.12.1955