Nach Grabschs Siegestor
brach die Latte!
Spritzig, wie lange nicht,
begannen die Kasseler das Spiel und hatten
eindeutig die Oberhand. Zunächst kam
es zu einigen Ecken, als aber dann auf eine
Flanke von Schulz Schmied mit einem tollen
Direktschuß aus 20 Metern ins Dreieck
das Führungstor erzielt hatte, atmeten
die Kasseler auf, es schien gut zu gehn.
Aber das blieb nur so bis zur 20. Minute,
als Knothe und Velhorn bei einem Kopfballduell
mit den Köpfen zusammenstießen
und herausgetragen werden mußten.
Die Hessen waren nun gezwungen, die Deckung
zu vervollständigen. Man nahm Schmied
nach hinten, und das lähmte jede Initiative.
Die Bayern rückten vor und belagerten
geradezu das Hessentor. Als Schiedsrichter
Leonhardt (Stuttgart) einige Minuten wegen
des Unfalls nachspielen ließ, fiel
Trott bei einer Abwehr, und Hahn konnte
Buchholz zum Ausgleich überwinden.
Depression bei den Kasselern und nach der
Pause knallte Huber nach einem Getümmel
vor dem Hessentor auch noch einen zweiten
Treffer unhaltbar unter die Latte.
Und nun machte man das
einzig Richtige. Der lebendige Schmied wurde
wieder nach vorn geschickt, und Franz Dinger,
der unter einer Verletzung litt, ging in
die Verteidigung. Das gab wieder erheblichen
Auftrieb, und die Hessen steigerten sich
mit den ganz ausgezeichneten Läuferleistungen
des jungen Michel zu einer Form, die sie
pausenlos das Bayerntor berennen ließ.
Die Verteidigung stand aber unter Führung
des großartigen Bauer wie ein Mann.
Den Bann brach endlich Hutfles, der einen
Freistoß Metzners mit dem Kopf zum
Ausgleich verwandelte. Die Entscheidung
brachte wieder eine Flanke Metzners, die
über den Scheitel von Bauer vors Tor
kam, wo Grabsch den Ball über den etwas
zu spät reagierenden Hoffmann ins Tor
hob. Bauer hatte seinen Fehler gutmachen
wollen, war ins Tor gesprungen und hatte
beim Hineinspringen die Latte mit der Hand
in der Mitte durchgeknickt.
Was nun, war die bange
Frage? Wird die Torreparatur gelingen? Wird
das Spiel abgebrochen? Glücklicherweise
für die Hessen - den Bayern lag bestimmt
nicht viel daran - wurde der Schaden notdürftig
behoben, und die letzten Minuten vergingen,
ohne daß eines der Tore noch groß
in Gefahr kam.
Der Kampf war zu Ende,
und die Hessen hatten einen verdienten Sieg
erfochten, denn endlich zeigte die Mannschaft
einmal, was sie kann, sie kämpfte sich
nach dem depremierenden 1:2 wieder vor das
Gegnertor und führte eine Spielwendung
herbei, die man kaum noch erhofft hatte.
Wir können allen Spielern
getrost attestieren, daß sie ihr Bestes
gaben, wir wollen aber Michel einmal besonders
herausheben. Schon in Penzberg hatte er
gut gespielt, und hier zeigte er, daß
er in der letzten Zeit viel gelernt hat.
Bei allem kämpferischen Einsatz, der
ihm oft Beifall auf offener Szene einbrachte,
verlor er nie die Übersicht und spielte
auch überlegt ab, seine Kondition war
sehr gut. So kann er sich einen Stammplatz
in der Hessenelf erwerben.
Schiedsrichter Leonhardt
(Stuttgart) leitete das Spiel gut.
Quelle: "Sport am
Montag" vom 12.12.1955