Nicht schlecht
gespielt, aber wieder keine Tore
Hessen Kassel war bei
weitem nicht um drei Tore schlechter. Die
Elf wartete teilweise mit dem technisch
reiferen Fußball und besseren Zusammenspiel
auf. Sie riß die Pforzheimer Verteidigung
des öfteren auf, aber das zielstrebige
Feldspiel war - wieder einmal - an der Strafraumgrenze
zu Ende. Bis hierher wurden die Angriffe
recht zügig vorgetragen, und anfangs
schien es auch, als sei der Gästesturm
recht schußfreudig, denn innerhalb
kurzer Zeit knallten mehrere Weitschüsse
auf das Pforzheimer Tor. Sie verfehlten
jedoch ihr Ziel oder bereiteten Torwart
Müller keine Mühe. Innerhalb des
Strafraumes raffte sich jedoch kaum einmal
einer der Gästestürmer zu einem
herzhaften Schuß auf. An dieser Unentschlossenheit
und unproduktiven Spielweise scheiterte
dann auch, vor allem in der zweiten Halbzeit
eine durchaus noch mögliche glückliche
Wendung.
Torhüter Schubert
trifft an der Niederlage keine Schuld. Er
hielt manchen gefährlichen Schuß,
den man schon im Tor sah. Verteidigung und
Mittelläufer überraschten zunächst
mit einigen unsauberen Abschlägen,
standen aber später ihren Mann genau
so gut wie die Außenläufer.
Obgleich die Hessen die
Verletzten Buchholz, Metzner und Schulz
ersetzen mußten, bildete die Mannschaft
doch eine geschlossene Einheit, aus dem
kein Einzelteil merklich abfiel. Aber letzten
Endes konnte auch der Einsatz von Dinger
im Sturm und die Rückkehr Schmieds
auf den Mittelstürmerposten, auf dem
er einst so erfolgreich operierte, nicht
die erhoffte Wendung im Sturm bringen. Besser
als in den letzten Spielen lief es dennoch!
Pforzheim hatte erstmals
wieder seinen von einer Blinddarmoperation
genesenen Spieler Rau dabei. Rau spielte
mit Druck und riskierte im gegebenen Moment
auch eher einen Schuß.
Zwei
gute Chancen
Bald nach Spielbeginn
hatte Pforzheim Glück, als Schmied
eine schwache Rückgabe von Krüger
erlief, aber Müller den Schuß
noch zu einer Ecke abfälschen konnte,
und kurz danach Krüger den Ball Schmied
noch vom schussbereiten Fuß zu schlagen
vermochte. Dann tauchte Schubert in der
34. Minute wohl, weil ihm die Aussicht versperrt
war, eine Sekunde zu spät nach Heinrichs
Schuß: 1:0. Und noch vor der Pause
von Straubs Schuß schlug unhaltbar
hoch ebenfalls in die lange Ecke ein.
Nach dem Wiederanpfiff
knallte zunächst Hellwig hoch in die
Wolken, dann konnte Torhüter Müller,
am Boden liegend, einen Ball nicht festhalten,
aber dem Schuß des in den Sturm gegangenen
Hutfles stellte ach noch irgendein Bein
in den Weg.
Selbst nach dem von Grobs
geschossenen dritten Pforzheimer Erfolg
resignierte Kassel nicht, aber ...
Quelle: Hessische Nachrichten
vom 17.10.1955