Auch der Glanz
ist erloschen
Das war nun der dritte
Akt des Trauerspiels im Auestadion: "Oh
alte Stürmerherrlichkeit, wohin bist
du entschwunden ..." - und noch immer
ist kein Ende abzusehen! Nicht nur, daß
erneut zwei Punkte aus einem Heimspiel verlorengingen,
nein, mit Metzner brach bereits nach 20
Minuten die vorletzte Stütze im brüchig
gewordenen Sturmgebälk der Hessen in
die Knie, hinkte verletzt auf Linksaußen
und blieb nach der Pause ganz in der Kabine.
Eine alte Knieverletzung wird "Gala"
mindestens für 14 Tage zum Aussetzen
zwingen. Was nun werden soll, wissen allein
wohl die Götter. Man kann nach dem
gestern wieder Gebotenen nur mit Schrecken
an die kommenden Prüfungen denken.
Die Bilanz der beiden
letzten Heimspiele mit 0:3 Toren und 0:4
Punkten ist so vielsagend wie deutlich:
es tut dringend nötig, sich keinerlei
großen Ambitionen mehr hinzugeben,
sondern die Bestände sorgfältig
zu überprüfen und zu versuchen,
das Beste daraus zu machen.
Dieses Spiel gegen Darmstadt
legte erneut rücksichtslos den Finger
in die weit klaffende Wunde, die die Hessen
einem todwunden alten Recken ähneln
läßt: mit nur zwei wirklichen
Stürmern ist kein Krieg zu gewinnen,
auch nicht in der zweiten Liga.
Junioren
noch nicht reif
Die drei Junioren, die
man diesmal dem tausendfach erprobten Gespann
Hellwig-Metzner zugesellte, sind einfach
noch nicht reif genug, um in solchen Prüfungen
zu bestehen; sowohl spielerisch nicht wie
auch körperlich. Sie waren die ersten,
die im Tempo erlahmten, sie waren die ersten,
denen der Ball in aussichtsreicher Position
vom Fuß lief oder genommen wurde.
Was Wunder, daß
Hellwig und Metzner sich in der Doppelaufgabe
des Einfädlers und Vollstreckers zerrieben
und ebenfalls nicht zu zwingender Aktion
gelangten. Und erst recht nicht der Toni
allein, als Metzner vom Felde mußte.
Da half auch nicht, daß Dinger das
Angriffsspiel forcierte, daß man vorübergehend
Schmied und Deeg nach vorn zog - die Kombinationsfäden
sind so gründlich zerrissen, daß
man ganz langsam erst wieder beginnen muß,
sie Stück für Stück zusammenzufügen.
Schneidige
Darmstädter
Hinzu kam, daß die
Darmstädter Abwehr den wenigen Hessen-Versuchen
im Sturm genauso schneidig in die Parade
fuhr wie zuvor die Waldhöfer und Straubing.
Da war auch nicht eine einzige wirkliche
echte Chance im ganzen Spiel. Und als Hellwig
in der Schlußminute doch einmal allein
vor Suhl auftauchte, boxte ihm der Gäste-Schlußmann
mit großer Parade das Leder vom Fuß.
Und der Gästeangriff
war so clever wie die Abwehr. Ihr Motor
der allgegenwärtige blonde Schultz,
der den Hessen auch den Todesstoß
gab, als er in der 72. Min. - allerdings
unseres Erachtens klar abseits - das Leder
am herauslaufenden Buchholz vorbei ins Netz
schlenzte. Der erste Treffer war ein als
Flanke gedachter Weitschuß Böhmanns
gewesen, der sich über Buchholz' Fäusten
in die lange Ecke senkte.
Weitere durchaus mögliche
Treffer der Gäste verhinderten allein
einige prächtige Paraden Buchholz'
und die aufopferungsvolle Arbeit der Abwehr,
die redlich ihre Pflicht tat. Drei Tore
auf eigenem Platz in zwei Spielen müssen
als "normal" angesehen werden.
Was soll man von diesem
Spiel noch mehr berichten? Lassen wir den
Vorhang darüber fallen. Auch über
Schiedsrichter Heise müßte man
sonst nur Unerfreuliches berichten. Er trat
im Mittelfeld einige völlig unverständliche
Entscheidungen.
Was werden soll? - Es stehen
den Hessen keine anderen Spieler zur Verfügung;
es bleibt nur zu hoffen, daß die Jungen
in diesem Fegefeuer nicht verbrennen, sondern
härter werden. Dann erst eröffnen
sich wieder erfreulichere Aspekte.
Quelle: Hessische Nachrichten
vom 03.10.1955