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<<< 5. Spieltag
2. Liga Süd 1955/56, 6. Spieltag

KSV Hessen Kassel - SV Darmstadt 98

0:2 (0:0)

Sonntag, 02.10.1955
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SV Darmstadt 98
Ruhl
Habermehl
Frey
Schultheis
Trautmann
Fiedler
Thalheimer
Mühlbach
Böhmann
Schultz
Uhrig
Trainer: Walter Koch
Trainer: -
Spielstatistik
Tore: 0:1 Böhmann (52.), 0:2 Schultz (72.) - Schiedsrichter: Heise (Frankfurt) - Zuschauer: 4.000
Spielbericht

Auch der Glanz ist erloschen

Das war nun der dritte Akt des Trauerspiels im Auestadion: "Oh alte Stürmerherrlichkeit, wohin bist du entschwunden ..." - und noch immer ist kein Ende abzusehen! Nicht nur, daß erneut zwei Punkte aus einem Heimspiel verlorengingen, nein, mit Metzner brach bereits nach 20 Minuten die vorletzte Stütze im brüchig gewordenen Sturmgebälk der Hessen in die Knie, hinkte verletzt auf Linksaußen und blieb nach der Pause ganz in der Kabine. Eine alte Knieverletzung wird "Gala" mindestens für 14 Tage zum Aussetzen zwingen. Was nun werden soll, wissen allein wohl die Götter. Man kann nach dem gestern wieder Gebotenen nur mit Schrecken an die kommenden Prüfungen denken.

Die Bilanz der beiden letzten Heimspiele mit 0:3 Toren und 0:4 Punkten ist so vielsagend wie deutlich: es tut dringend nötig, sich keinerlei großen Ambitionen mehr hinzugeben, sondern die Bestände sorgfältig zu überprüfen und zu versuchen, das Beste daraus zu machen.

Dieses Spiel gegen Darmstadt legte erneut rücksichtslos den Finger in die weit klaffende Wunde, die die Hessen einem todwunden alten Recken ähneln läßt: mit nur zwei wirklichen Stürmern ist kein Krieg zu gewinnen, auch nicht in der zweiten Liga.

Junioren noch nicht reif

Die drei Junioren, die man diesmal dem tausendfach erprobten Gespann Hellwig-Metzner zugesellte, sind einfach noch nicht reif genug, um in solchen Prüfungen zu bestehen; sowohl spielerisch nicht wie auch körperlich. Sie waren die ersten, die im Tempo erlahmten, sie waren die ersten, denen der Ball in aussichtsreicher Position vom Fuß lief oder genommen wurde.

Was Wunder, daß Hellwig und Metzner sich in der Doppelaufgabe des Einfädlers und Vollstreckers zerrieben und ebenfalls nicht zu zwingender Aktion gelangten. Und erst recht nicht der Toni allein, als Metzner vom Felde mußte. Da half auch nicht, daß Dinger das Angriffsspiel forcierte, daß man vorübergehend Schmied und Deeg nach vorn zog - die Kombinationsfäden sind so gründlich zerrissen, daß man ganz langsam erst wieder beginnen muß, sie Stück für Stück zusammenzufügen.

Schneidige Darmstädter

Hinzu kam, daß die Darmstädter Abwehr den wenigen Hessen-Versuchen im Sturm genauso schneidig in die Parade fuhr wie zuvor die Waldhöfer und Straubing. Da war auch nicht eine einzige wirkliche echte Chance im ganzen Spiel. Und als Hellwig in der Schlußminute doch einmal allein vor Suhl auftauchte, boxte ihm der Gäste-Schlußmann mit großer Parade das Leder vom Fuß.

Und der Gästeangriff war so clever wie die Abwehr. Ihr Motor der allgegenwärtige blonde Schultz, der den Hessen auch den Todesstoß gab, als er in der 72. Min. - allerdings unseres Erachtens klar abseits - das Leder am herauslaufenden Buchholz vorbei ins Netz schlenzte. Der erste Treffer war ein als Flanke gedachter Weitschuß Böhmanns gewesen, der sich über Buchholz' Fäusten in die lange Ecke senkte.

Weitere durchaus mögliche Treffer der Gäste verhinderten allein einige prächtige Paraden Buchholz' und die aufopferungsvolle Arbeit der Abwehr, die redlich ihre Pflicht tat. Drei Tore auf eigenem Platz in zwei Spielen müssen als "normal" angesehen werden.

Was soll man von diesem Spiel noch mehr berichten? Lassen wir den Vorhang darüber fallen. Auch über Schiedsrichter Heise müßte man sonst nur Unerfreuliches berichten. Er trat im Mittelfeld einige völlig unverständliche Entscheidungen.

Was werden soll? - Es stehen den Hessen keine anderen Spieler zur Verfügung; es bleibt nur zu hoffen, daß die Jungen in diesem Fegefeuer nicht verbrennen, sondern härter werden. Dann erst eröffnen sich wieder erfreulichere Aspekte.

Quelle: Hessische Nachrichten vom 03.10.1955