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<<< 4. Spieltag
2. Liga Süd 1955/56, 5. Spieltag

KSV Hessen Kassel - SV Waldhof Mannheim

0:1 (0:1)

Sonntag, 25.09.1955
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SV Waldhof Mannheim
Lennert
Rößling
Leskau
Kleber
Leutwein
Lipponer
Ratzel
Lehn
Lebefromm
Hohmann
Teigesser
Trainer: Walter Koch
Trainer: -
Spielstatistik
Tore: 0:1 Lehn (4.) - Schiedsrichter: Reuß (Aschaffenburg) - Zuschauer: 5.000
Spielbericht

Alle Schwächen wurden aufgedeckt

Das Straubinger Spiel war schon ein tiefer, tiefer Absturz der Hessen, aber es blieb wenigstens ein Punkt noch im Lande. Diesmal gingen gleich beide Zähler mit den Gästen. Es war unfaßlich und tat körperlich regelrecht weh, was die Hessen-Elf in den 90 Minuten gegen die Waldhöfer im Auestadion zeigte - oder besser: nicht zeigte. Mit geradezu brutaler Schonungslosigkeit legte dieses Spiel alle Schwächen der Mannschaft bloß: Die Abwehr besitzt noch nicht das notwendige Verständnis untereinander (das entscheidende Tor bereits in der 4. Minute geht auf ein krasses Mißverständnis zwischen Buchholz und Deeg zurück), und der Sturm hat nicht genug Stürmer. Außerdem ist ihm jedes Gefühl für Kombinationseffekte und taktische Schachzüge verloren gegangen.

Ein einziges Mal ...

Ein einziges Mal - und gleich als Antwort auf das Waldhöfer Tor - blitzte echte Klasse in einem Angriffszug der Hessen auf: als Hellwig dem spurtenden Metzner einen Paß so millimetergenau in die Füße legte, daß "Gala" nur noch abzufeuern brauchte. Pech, daß der Gewaltschuß Lennert direkt auf den Leib knallte.

Ist es nicht bezeichnend, daß der Reporter eine solche Paßfolge in seinen Notizen festhält und sogar mit einem Ausrufungszeichen versieht?

Es veranschaulicht deutlich, wie erschreckend die spielerische Linie des Angriffs auseinandergeflattert ist. Die einzelnen Stücke wieder zusammenzusuchen und zu kitten, wird schwere, schwere Arbeit sein.

Durch eine Verletzung Schmieds bedingt, mußte der junge Casselmann den Linksaußenposten übernehmen. Eine Notlösung schon auf dem Papier, eine solche auch auf dem Feld. Ihm und auch Schulz, der mit Metzner den Platz getauscht hatte, gelang so ziemlich alles daneben. Diese Feststellung klingt hart, sie sollte aber diese veranlagten Jungen nur noch zu intensiverem Training (Ballschule!) veranlassen.

Übrig blieben also nur noch Metzner, Hellwig und Grabsch. Und diese drei konnten es diesmal allein nicht schaffen.

Denn die schmächtigen Burschen in der Waldhöfer Verteidigung erwiesen sich als ungemein clevere, selbstbewußte und energische Abwehr-Strategen, die auch nicht die kleinste Lücke offen ließen, in die die Hessen aussichtsvoll hätten stoßen können. Voran der fast zierliche Leutwein als Stopper und Leskau, in dem Grabsch einen an Härte durchaus ebenbürtigen Gegner antraf.

Das 0:1 der Waldhöfer, das berets die Entscheidung sein sollte, wirkte wie eine eiskalte Dusche. Lipponer trat einen Freistoß von der Mittellinie (!) auf den Elfmeterpunkt, Buchholz eilte aus dem Tor (warum?), blieb aber an Deeg hängen, der zusammen mit dem Waldhöfer Lehn hochstieg, und von Lehns Scheitel trudelte der Ball unaufhaltsam über die Torlinie.

Was danach kam, war bis zur Pause noch offenes Feldspiel, allerdings bereits mit deutlichen Vorteilen für die Hessen, nach dem Wechsel dann in gesteigertem Tempo ein beinahe pausenloser Verzweiflungssturm der Hessen, wenigstens noch ein Unentschieden herauszuholen.

Aber die Waldhöfer Abwehrmauer war nicht aufzubrechen. Weder durch Hellwigsche Freistöße noch durch Metzner-Flankenläufe und feine Schrägschüsse, noch durch Grabschs "Tank-Arbeit" oder durch die gutgemeinten, aber völlig unsinnigen Fernschüsse des im übrigen wieder mit altem Aktionsradius über das Feld stampfenden Dinger. - Es blieb bei dieser seit Jahren schmerzhaftesten Heim-Niederlage.

Schiedsrichter Reuß war in der ersten Halbzeit ausgezeichnet, nach dem Wechsel pfiff er manchmal, aber nicht gravierend daneben. Im ganzen war er besser, als das maßlos enttäuschte Publikum es wahrhaben wollte.

Quelle: Hessische Nachrichten vom 26.09.1955