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<<< 2. Spieltag
2. Liga Süd 1955/56, 3. Spieltag

KSV Hessen Kassel - TSV Straubing

2:2 (2:1)

Sonntag, 11.09.1955
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
TSV Straubing
Aumeier
Zollner
Holzapfel
Parzl
Boxleitner
Pollok
Müller
Ernst
Buhl
Murr
Distler
Trainer: Walter Koch
Trainer: -
Spielstatistik
Tore: 1:0 Schulz (14.), 2:0 Müller (42., Foulelfmeter), 2:1 Ernst (43.), 2:2 Distler (54.) - Schiedsrichter: Fierhauser (Karlsruhe) - Zuschauer: 6.000
Spielbericht

Kein Ruhmesblatt

Eisiges Schweigen lag über den 6000 im Auestadion, als Fiershauser abpfiff. Diese letzte halbe Stunde der Hessen nach dem 2:2 der Straubinger hatte auch dem unerschütterlichsten unter den lautstarken Stimmungsmachern die Sprache verschlagen. Es war auch wirklich eine einzige Katastrophe. Wir können uns nicht entsinnen, daß die Hessen jemals aus der Ebene ansprechenden Teamworks in einen solch spielerischen Abrund gestürzt sind, wie er in diesem Spiel so unerklärlich wie erschreckend tief aufbrach.

Nach der ebenso unnötigen wie verständlicherweise deprimierenden Ausgleich der Straubinger zerissen auch die letzten der bislang sowieso schon recht schütteren Kombinationsfäden. Diese waren aber immerhin noch stark genug gewesen, die Straubinger fast während der ganzen ersten Halbzeit in ihrem Tatendrang erheblich einzuschnüren. Was dann kam, ist kaum zu beschreiben.

Allgemeine Kopflosigkeit griff wie eine Seuche um sich und erfaßte alle, aber auch alle. In der ganzen letzten halben Stunde bekam die Mannschaft nicht einen einzigen gescheiten Angriff mehr zusammen!

Verschiedene Umstellungen (Hutfles und Dinger nach vorn!) waren letzte Verzweifelungsakte und zugleich sinnfälliger Ausdruck der Rat- und Hilflosigkeit, die die Hessen befallen hatte.

Wie es dazu kam? - Der Chronist kann die einzelnen Stationen aufzeichnen, aber eine Erklärung hat auch er nicht zur Hand.

Es hatte so gut begonnen

Es hatte zwar nicht in überwältigendem, aber doch ansprechendem Stil ausgesprochen gut für die Hessen begonnen. Schulz schmetterte eine Bilderbuch-Flanke des von Dinger glänzend eingesetzten Schmied mit Vehemenz per Kopf ins Netz und Müller feuerte eiskalt den Elfmeter (nach klarem Foul von Boxleiter an Metzner) zum 2:0 an Aumeier vorbei. In dieser Zeit zeichnete sich die gesamte Elf durch Spielfreude und zügigen Angriffsgeist aus. Auch Michel gelang einiges recht nett, wiewohl er die vor allem später so bitter vermißten, ordnenden Füße Hellwigs nie vergessen machen konnte.

Der erste Knacks beim 2:1

Alles war wohlgemut und voller Zuversicht, entscheidende Fehler waren nicht geschehen - ausgerechnet der erste führte zum 2:1. Wie ein Konterschlag auf das Elfmeter-2:0.

Schulz und Müller säbelten - allerdings getäuscht - über den Ball und der schnelle Ernst lenkte das Leder unerreichbar für den wieder zuverlässigen Buchholz ins Netz.

Hier gab es den ersten deutlichen Knacks. Die zweite Halbzeit offenbarte es sehr schnell. Die Läuferreihe geriet ins Schwimmen und als Dinger völlig unnötig den Ball zu Buchholz zurükführen wollte, war der aufmerksame Straubinger Linksaußen schnell zur Stelle: 2:2. Der Rest war offene Panik bei den Hessen, während Straubing den einen, wohl selbst nicht erwarteten Punkt sicher über die Zeit rettete. Allen voran Aumeier, der ohne Effekthascherei seinen Strafraum meisterhaft beherrschte. - Ecken 10:0 für die Hessen!

Bei den Gästen zeichneten sich neben Aumeier besonders noch der "Terrier" Pollock, Murr und die beiden Flitzer an den Flügeln aus. Bei den Hessen darf man allein dem Schlußdreieck gleiche Form bis zum Schluß bescheinigen. Selbst ein Metzner konnte nur tatenlos zusehen, wie alle Felle davonschwammen.

Drittes Tor war regulär

Hat es noch Zweck, über das dritte Tor der Hessen zu hadern, das Schulz kurz nach dem 1:0 nach blendendem Solo über das halbe Spielfeld erzielte, das aber von dem wieder sehr, sehr umstrittenen Fiershauser in völlig unverständlicher Ignorierung der Vorteilsregel nicht anerkannt wurde? - Gewiß, es war ein einwandfreies Tor. Aber die Hessen hätten davon noch mindestens zwei schießen können und müssen!

Quelle: Hessische Nachrichten vom 12.09.1955