Hellwig fehlte
den Hessen sehr
Der trainingsverletzte
Hellwig fehlte den Hessen in Wiesbaden an
allen Ecken und Enden! Metzner, der wieder
ein aufopferungsvolles Spiel zeigte, und
besonders gegen Spielschluß versuchte,
mit großem Einsatz das Blatt zu wenden,
konnte es allein nicht schaffen, zumal Schmied
kurz vor der Pause bei einem Zusammenprall
verletzt wurde und vor allem Torhüter
Buchholz mit unerwarteter Unsicherheit Nervosität
in der eigenen Abwehr hervorrief. So gingen
denn zwei Punkte verloren, die sich ein
Gegner nahm, dessen großer Eifer und
Einsatzwille (er spielte ab der 19. Minute
praktisch mit zehn Mann) diesen knappen
Sieg verdient hat.
Dabei sah es vor der Pause
so aus, als würden die Hessen dieses
Spiel gewinnen, wie es auch die letzten
Zweitliga-Begegnungen mit dem SVW gewann.
Wohl mußte Knothe mehrere Male vor
dem großartigen Wiesbadener Csakany
klären, aber Schmied und auch Grabsch
sorgten ihrerseits für Beschäftigung
der Wiesbadener Abwehr, und als sich Grabsch
in der 17. Minute gegen Reißländer
und Aßmann behauptete und aus vollem
Lauf unhaltbar zum Führungstreffer
einschoß, schien das der Anfang einer
Erfolgwiederholung zu sein, zumal wenig
später die Wiesbadener ihren Rechtsaußen
Fiegen infolge einer Verletzung verloren.
Zügig rollten die
Kombinationen. Deeg und vor allem Dinger
sorgten für ein gutes Mittelfeldspiel,
aber irgendwie fehlte dann doch der entscheidende
Druck im Strafraum der Wiesbadener, bei
denen vor allem Verteidiger Aßmann
eine hervorragende Rolle spielte.
Als dann Buchholz mehrere
Male dadurch gefährliche Situationen
heraufbeschwor, daß er relativ harmlose
Bälle nicht festhielt, schwand die
Hoffnung, daß aus dem 1:0 ein 2:0
und schließlich ein Sieg herausspränge.
Buchholz-Fehler
zum 1:1
Der kapitalste Fehler
Buchholz', der in der 42. Minute wiederum
einen völlig ungefährlichen Ball
dem mitgelaufenen Wiesbadener Götz
vor die Füße klatschte (dieser
nutzte natürlich sofort diese einmalige
Chance zum Ausgleich), war dann der Wendepunkt
des Spiels.
Nach dem Wechsel konnte
zwar noch eine Viertelstunde ein, offenes
Spiel erzwungen werden, doch dann wurden
die Gastgeber, die geschickt aus der Tiefe
heraus angriffen und sich dabei hauptsächlich
auf den schnellen Csakany stützten,
leicht überlegen. Trotzdem mußte
ein erneuter Abwehrfehler passieren, um
die Mannschaft in Rückstand zu bringen:
Die Verteidigung hatte sich auf die Deckung
Csakanys konzentriert und Götz ziemlich
freien Lauf gelassen, und das nutzte der
Halblinke der Wiesbadener dann auch aus,
um aus vollem Lauf und etwa 20 Metern Entfernung
ins rechte untere Eck einzukanonieren.
Vorher hatte Hutfles mit
einer großartigen Kopfabwehr für
den wiederum zu früh aus seinem Tor
gelaufenen Buchholz auf der Linie geklärt.
Schmied
verpaßte Ausgleich
Schmied hatte wenig später
eine große Chance, das 2:2 zu erzielen,
aber in seiner Aufregung vergaß er
den Ball zwei Meter vor dem Tor überhaupt
aufzunehmen.
Metzner rackerte sich
nun mit doppelter Lunge im Mittelfeld ab,
trieb, den Ball am Fuß, weit in die
gegnerische Hälfte hinein. aber das
Glück war nicht mehr zu packen, zumal
die Wiesbadener begreiflicherweise jetzt
auf Sicherung ihres Torvorsprungs bedacht
waren.
Schiedsrichter Scheuring
leitete vor 5000 Zuschauern zufriedenstellend
und verteilte seine Irrtümer gerecht
an beide Lager.
Quelle: Hessische Nachrichten
vom 05.09.1955