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2. Liga Süd 1955/56, 2. Spieltag

SV Wiesbaden - KSV Hessen Kassel

2:1 (1:1)

Sonntag, 04.09.1955
Stadion Berliner Straße

SV Wiesbaden
KSV Hessen Kassel
Stierstorfer
Schmidt
Aßmann
Beisiegel
Kurella
Reißländer
Fiegen
Hölzel
Dingler
Götz
Csakany
Trainer: -
Trainer: Walter Koch
Spielstatistik
Tore: 0:1 Grabsch (17.), 1:1 Götz (42.), 2:1 Götz ( .) - Schiedsrichter: Scheuring (Schweinfurt) - Zuschauer: 5.000
Spielbericht

Hellwig fehlte den Hessen sehr

Der trainingsverletzte Hellwig fehlte den Hessen in Wiesbaden an allen Ecken und Enden! Metzner, der wieder ein aufopferungsvolles Spiel zeigte, und besonders gegen Spielschluß versuchte, mit großem Einsatz das Blatt zu wenden, konnte es allein nicht schaffen, zumal Schmied kurz vor der Pause bei einem Zusammenprall verletzt wurde und vor allem Torhüter Buchholz mit unerwarteter Unsicherheit Nervosität in der eigenen Abwehr hervorrief. So gingen denn zwei Punkte verloren, die sich ein Gegner nahm, dessen großer Eifer und Einsatzwille (er spielte ab der 19. Minute praktisch mit zehn Mann) diesen knappen Sieg verdient hat.

Dabei sah es vor der Pause so aus, als würden die Hessen dieses Spiel gewinnen, wie es auch die letzten Zweitliga-Begegnungen mit dem SVW gewann. Wohl mußte Knothe mehrere Male vor dem großartigen Wiesbadener Csakany klären, aber Schmied und auch Grabsch sorgten ihrerseits für Beschäftigung der Wiesbadener Abwehr, und als sich Grabsch in der 17. Minute gegen Reißländer und Aßmann behauptete und aus vollem Lauf unhaltbar zum Führungstreffer einschoß, schien das der Anfang einer Erfolgwiederholung zu sein, zumal wenig später die Wiesbadener ihren Rechtsaußen Fiegen infolge einer Verletzung verloren.

Zügig rollten die Kombinationen. Deeg und vor allem Dinger sorgten für ein gutes Mittelfeldspiel, aber irgendwie fehlte dann doch der entscheidende Druck im Strafraum der Wiesbadener, bei denen vor allem Verteidiger Aßmann eine hervorragende Rolle spielte.

Als dann Buchholz mehrere Male dadurch gefährliche Situationen heraufbeschwor, daß er relativ harmlose Bälle nicht festhielt, schwand die Hoffnung, daß aus dem 1:0 ein 2:0 und schließlich ein Sieg herausspränge.

Buchholz-Fehler zum 1:1

Der kapitalste Fehler Buchholz', der in der 42. Minute wiederum einen völlig ungefährlichen Ball dem mitgelaufenen Wiesbadener Götz vor die Füße klatschte (dieser nutzte natürlich sofort diese einmalige Chance zum Ausgleich), war dann der Wendepunkt des Spiels.

Nach dem Wechsel konnte zwar noch eine Viertelstunde ein, offenes Spiel erzwungen werden, doch dann wurden die Gastgeber, die geschickt aus der Tiefe heraus angriffen und sich dabei hauptsächlich auf den schnellen Csakany stützten, leicht überlegen. Trotzdem mußte ein erneuter Abwehrfehler passieren, um die Mannschaft in Rückstand zu bringen: Die Verteidigung hatte sich auf die Deckung Csakanys konzentriert und Götz ziemlich freien Lauf gelassen, und das nutzte der Halblinke der Wiesbadener dann auch aus, um aus vollem Lauf und etwa 20 Metern Entfernung ins rechte untere Eck einzukanonieren.

Vorher hatte Hutfles mit einer großartigen Kopfabwehr für den wiederum zu früh aus seinem Tor gelaufenen Buchholz auf der Linie geklärt.

Schmied verpaßte Ausgleich

Schmied hatte wenig später eine große Chance, das 2:2 zu erzielen, aber in seiner Aufregung vergaß er den Ball zwei Meter vor dem Tor überhaupt aufzunehmen.

Metzner rackerte sich nun mit doppelter Lunge im Mittelfeld ab, trieb, den Ball am Fuß, weit in die gegnerische Hälfte hinein. aber das Glück war nicht mehr zu packen, zumal die Wiesbadener begreiflicherweise jetzt auf Sicherung ihres Torvorsprungs bedacht waren.

Schiedsrichter Scheuring leitete vor 5000 Zuschauern zufriedenstellend und verteilte seine Irrtümer gerecht an beide Lager.

Quelle: Hessische Nachrichten vom 05.09.1955