Drei Tore in den
ersten sechs Minuten! Wir gratulieren der
Elf zu diesem Spiel
Das war wohl die entscheidendste
Partie, die die Hessen in der Oberliga Süd
zu bestehen hatten, und das gegen einen
Gegner, der, wie eine Regensburger Zeitung
schrieb, entschlossen sei, den Kasselern
das Konzept zu verderben, der, angeregt
durch die Verunglimpfung des Kasseler Sportpublikums,
auch noch Platzaufsicht beantragt hatte,
aber durch das Verhalten unseres Kasseler
Publikums doch, und das war richtig, Lügen
gestraft wurde. Man ging mit dem Bewußtsein
vom Platze, daß mit diesem entscheidenden
Sieg die Oberliga erhalten bleiben würde,
aber die Ergebnisse der anderen abstiegsgefährdeten
Vereine beweisen, daß von diesen mit
dem gleichen Kampfgeist um die Erhaltung
der höchsten Spielklasse gerungen wird.
Man muß nun abwarten, wie das in Mannheim
zwischen dem SV Waldhof und der Viktoria
Anschaffenburg beim Stande von 2:2 abgebrochene
Spiel
gewertet wird und wie schließlich
die noch ausstehenden Spiele ausgehen werden,
ehe die Absteiger endgültig feststehen,
aber die Hessen können schon getrost
in die Zukunft blicken. Schließlich
sind die beiden Auswärtsspiele auch
noch nicht verloren.
Der Überfall
gelang
Sechs Minuten genügten,
um den Gästen die Absicht, in Kassel
zu siegen, zu nehmen. Drei Tore warfen sie
aussichtslos zurück, und all ihr Mühen
nutzte nichts mehr. Das war eine Glanzleistung
der hervorragend aufeinander abgestimmten
Mannschaft, die mit Elan und Siegeswillen
und mit einer ausgezeichneten Kondition
in den Kampf ging. Diesmal klappte anfangs
auch jeder Schachzug, und geschossen wurde,
wenn auch nur der Ball vor dem Tor auftauchte.
Siebert war mit seinen drei Toren der Held
des Tages, und Dinger und Metzner waren
die beiden anderen Schützen.
Bei einer solch gleichmäßig
guten Leistung auf allen Posten - es gab
nicht den geringsten Versager - wäre
es verfehlt, wenn man die Leistung des einen
gegen die des anderen abwägen wollte,
aber trotzdem wollen wir Hutfles noch besonders
erwähnen. Er schirmte Süddeutschlands
Schützenkönig Hubeny so ab, daß
er sich überhaupt nicht in Szene setzen
konnte, und wenn man die einzelnen Tore
sich noch einmal ins Gedächtnis zurückruft,
war in fast allen Fällen Gala Metzner
der Inszenator. Man soll auch bei der Besetzung
des Verteidigerpostens durch Schmidt nicht
mehr von einer Notlösung sprechen.
Sie mag anfangs eine gewesen sein, aber
was das "Schmidtchen" an Routine,
Schnelligkeit und sauberen Abschlägen
leistete, das soll ihm erst einer nachmachen.
Nun, so sind wir doch etwas in den Fehler
verfallen, einige hervorzuheben, aber wir
wollen von allen eines sagen: Herzlichen
Glückwunsch zu dieser prächtigen
Gesamtleistung, zu dem Kampfgeist und dem
Elan und vor allem zu der Sicherheit und
Ruhe, mit der gespielt wurde. So, ja so
muß die Oberligazugehörigkeit
erhalten bleiben.
Feuerüberfall
von sechs Minuten
Drei Paukenschläge
bildeten den Auftakt, und diese Paukenschläge
zwangen die Regensburger in die Knie. Schon
bei dem 6:0-Sieg gegen Fürth sagte
man, daß es das in Kassel noch nie
gegeben habe, aber diese drei Tore innerhalb
der ersten sechs Minuten waren auch noch
nie da. In der dritten Minute preschte Siebert
auf Metzner Vorlage los, und sein Alleingang
schloß mit einem Flachschuß
und dem ersten Treffer ab. Zwei Minuten
später wird ein Strafstoß aufs
Tor geknallt, und bei dem Abpraller war
Franz Dinger schnell zur Stelle, und es
hieß 2:0. Den dritten Treffer steuerte
Gala Metzner bei, der aus 30 m Entfernung
einen Drehball ins Dreieck setzte. Das war
mehr als beruhigend. Trotzdem ließen
die Chancen für die Hessen nicht nach,
und in der 25. Min. erwischte Siebert eine
Metzner-Vorlage gerade noch im letzten Moment
zum vierten Treffer. Fein war dann das Tor
der Regensburger. Schamriß schoß
ebenfalls aus 30 m einen Strafstoß
über die Mauer ins Dreieck. Laue mußte
dann mehrfach zeigen, was er kann, aber
als Grabsch kurz vor der Pause sich auf
Linksaußen durchgespielt hatte, schießt
Siebert zum beruhigenden 5:1 ein.
Nach dem Wechsel können
die Hessen in aller Ruhe ihre Angriffe starten:
es ist mehrfach das sechste Tor nahe, aber
es fällt nicht. So wie es vor der Pause
ging, ging es eben nicht mehr. Die Regensburger
versuchten mit aller Macht, etwas von dem
Vorsprung aufzuholen, aber sie stießen
bei der Hessenabwehr auf Granit. Gewiß
mußte auch Laue noch einige male zugreifen,
aber Bahlke, sein Gegenspieler, stand doch
mehr im Brennpunkt des Geschehens. Die Spielszenen
alle zu schildern, ist unmöglich, nur
ein Kabinettstück von Metzner soll
noch erwähnt werden: Eine Flanke von
Siebert nimmt Metzner in der Luft an, und
Bahlke hatte alle Mühe, den Ball über
die Latte zu lenken. So gab es viele packende
Szenen, aber was am meisten verblüffte,
war die oft eiskalte Ruhe, mit der die Verteidigung
sich in kritischen Situationen benahm.
Schiedsrichter Fritz (Oggersheim)
leitete ohne Tadel, seine Entscheidungen
kamen schnell, und er war stets im Bilde.
Beide Mannschaften machten es ihm auch mit
fairem Spiel leicht.
Stadtoberhaupt
bei der Mannschaft
Anschließend an das
Spiel fanden sich auch im Klubheim des KSV
Hessen Oberbürgermeister Seidel, Bürgermeister
Dr. Grenzebach, Stadtrat Nitsche, Dr. Voßhage
und verschiedene andere Männer der
Stadtverwaltung ein, um der Hessen-Mannschaft
ihre Glückwünsche zu überbringen.
Quelle: Hessische Nachrichten
vom 22.03.1954