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<<< 27. Spieltag
Oberliga Süd 1953/54, 28. Spieltag

KSV Hessen Kassel - SSV Jahn Regensburg

5:1 (5:1)

Sonntag, 21.03.1954
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SSV Jahn Regensburg
Oskar Bahlke
Oswald Effenhauser
Ferdinand Stadelmeyer
Karl Schamriß
Heinrich Beyerlein
Alfred Popp
Horst Pinkert
Georg Gehring
Josef Hubeny
Hans Nöth
Anton Blaimer
Trainer: Franz Binder
Spielstatistik
Tore: 1:0 Siebert (3.), 2:0 Dinger (5.), 3:0 Metzner (6.), 4:0 Siebert (25.), 4:1 Schamriß (29.), 5:1 Siebert (41.) - Ecken: 6:6 - Schiedsrichter: Helmut Fritz (Oggersheim) - Zuschauer: 32.000
Spielbericht

Drei Tore in den ersten sechs Minuten! Wir gratulieren der Elf zu diesem Spiel

Das war wohl die entscheidendste Partie, die die Hessen in der Oberliga Süd zu bestehen hatten, und das gegen einen Gegner, der, wie eine Regensburger Zeitung schrieb, entschlossen sei, den Kasselern das Konzept zu verderben, der, angeregt durch die Verunglimpfung des Kasseler Sportpublikums, auch noch Platzaufsicht beantragt hatte, aber durch das Verhalten unseres Kasseler Publikums doch, und das war richtig, Lügen gestraft wurde. Man ging mit dem Bewußtsein vom Platze, daß mit diesem entscheidenden Sieg die Oberliga erhalten bleiben würde, aber die Ergebnisse der anderen abstiegsgefährdeten Vereine beweisen, daß von diesen mit dem gleichen Kampfgeist um die Erhaltung der höchsten Spielklasse gerungen wird. Man muß nun abwarten, wie das in Mannheim zwischen dem SV Waldhof und der Viktoria Anschaffenburg beim Stande von 2:2 abgebrochene Spiel
gewertet wird und wie schließlich die noch ausstehenden Spiele ausgehen werden, ehe die Absteiger endgültig feststehen, aber die Hessen können schon getrost in die Zukunft blicken. Schließlich sind die beiden Auswärtsspiele auch noch nicht verloren.

Der Überfall gelang

Sechs Minuten genügten, um den Gästen die Absicht, in Kassel zu siegen, zu nehmen. Drei Tore warfen sie aussichtslos zurück, und all ihr Mühen nutzte nichts mehr. Das war eine Glanzleistung der hervorragend aufeinander abgestimmten Mannschaft, die mit Elan und Siegeswillen und mit einer ausgezeichneten Kondition in den Kampf ging. Diesmal klappte anfangs auch jeder Schachzug, und geschossen wurde, wenn auch nur der Ball vor dem Tor auftauchte. Siebert war mit seinen drei Toren der Held des Tages, und Dinger und Metzner waren die beiden anderen Schützen.

Bei einer solch gleichmäßig guten Leistung auf allen Posten - es gab nicht den geringsten Versager - wäre es verfehlt, wenn man die Leistung des einen gegen die des anderen abwägen wollte, aber trotzdem wollen wir Hutfles noch besonders erwähnen. Er schirmte Süddeutschlands Schützenkönig Hubeny so ab, daß er sich überhaupt nicht in Szene setzen konnte, und wenn man die einzelnen Tore sich noch einmal ins Gedächtnis zurückruft, war in fast allen Fällen Gala Metzner der Inszenator. Man soll auch bei der Besetzung des Verteidigerpostens durch Schmidt nicht mehr von einer Notlösung sprechen. Sie mag anfangs eine gewesen sein, aber was das "Schmidtchen" an Routine, Schnelligkeit und sauberen Abschlägen leistete, das soll ihm erst einer nachmachen. Nun, so sind wir doch etwas in den Fehler verfallen, einige hervorzuheben, aber wir wollen von allen eines sagen: Herzlichen Glückwunsch zu dieser prächtigen Gesamtleistung, zu dem Kampfgeist und dem Elan und vor allem zu der Sicherheit und Ruhe, mit der gespielt wurde. So, ja so muß die Oberligazugehörigkeit erhalten bleiben.

Feuerüberfall von sechs Minuten

Drei Paukenschläge bildeten den Auftakt, und diese Paukenschläge zwangen die Regensburger in die Knie. Schon bei dem 6:0-Sieg gegen Fürth sagte man, daß es das in Kassel noch nie gegeben habe, aber diese drei Tore innerhalb der ersten sechs Minuten waren auch noch nie da. In der dritten Minute preschte Siebert auf Metzner Vorlage los, und sein Alleingang schloß mit einem Flachschuß und dem ersten Treffer ab. Zwei Minuten später wird ein Strafstoß aufs Tor geknallt, und bei dem Abpraller war Franz Dinger schnell zur Stelle, und es hieß 2:0. Den dritten Treffer steuerte Gala Metzner bei, der aus 30 m Entfernung einen Drehball ins Dreieck setzte. Das war mehr als beruhigend. Trotzdem ließen die Chancen für die Hessen nicht nach, und in der 25. Min. erwischte Siebert eine Metzner-Vorlage gerade noch im letzten Moment zum vierten Treffer. Fein war dann das Tor der Regensburger. Schamriß schoß ebenfalls aus 30 m einen Strafstoß über die Mauer ins Dreieck. Laue mußte dann mehrfach zeigen, was er kann, aber als Grabsch kurz vor der Pause sich auf Linksaußen durchgespielt hatte, schießt Siebert zum beruhigenden 5:1 ein.

Nach dem Wechsel können die Hessen in aller Ruhe ihre Angriffe starten: es ist mehrfach das sechste Tor nahe, aber es fällt nicht. So wie es vor der Pause ging, ging es eben nicht mehr. Die Regensburger versuchten mit aller Macht, etwas von dem Vorsprung aufzuholen, aber sie stießen bei der Hessenabwehr auf Granit. Gewiß mußte auch Laue noch einige male zugreifen, aber Bahlke, sein Gegenspieler, stand doch mehr im Brennpunkt des Geschehens. Die Spielszenen alle zu schildern, ist unmöglich, nur ein Kabinettstück von Metzner soll noch erwähnt werden: Eine Flanke von Siebert nimmt Metzner in der Luft an, und Bahlke hatte alle Mühe, den Ball über die Latte zu lenken. So gab es viele packende Szenen, aber was am meisten verblüffte, war die oft eiskalte Ruhe, mit der die Verteidigung sich in kritischen Situationen benahm.

Schiedsrichter Fritz (Oggersheim) leitete ohne Tadel, seine Entscheidungen kamen schnell, und er war stets im Bilde. Beide Mannschaften machten es ihm auch mit fairem Spiel leicht.

Stadtoberhaupt bei der Mannschaft

Anschließend an das Spiel fanden sich auch im Klubheim des KSV Hessen Oberbürgermeister Seidel, Bürgermeister Dr. Grenzebach, Stadtrat Nitsche, Dr. Voßhage und verschiedene andere Männer der Stadtverwaltung ein, um der Hessen-Mannschaft ihre Glückwünsche zu überbringen.

Quelle: Hessische Nachrichten vom 22.03.1954