Trauer
um Jendrosch
Rolf Fritzsche
ist traurig, weil er einen Freund verloren
hat. Rolf Fritzsche war Halbstürmer des
KSV Hessen in den glorreichen Zeiten der Sechzigerjahre,
in denen der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga
nur knapp misslang. Und er hatte damals auf
dem Spielfeld einen Partner, ohne den der
KSV in der bundesdeutschen Fußball-Szene
eine weitaus bescheidenere Rolle gespielt
hätte. Peter Jendrosch ist - wie erst
jetzt bekannt wurde - am 2. März im Alter
von 68 Jahren gestorben.
Manchmal
sprechen Zahlen für sich. Jendrosch hat
in 100 Spielen für den KSV Hessen 77
Tore geschossen. Doch er war nicht nur Torjäger.
Seine Position haben die aktuellen Trainer
mit ihren Gegentor-Phobien abgeschafft. Peter
Jendrosch war ein offensiver Mittelfeldspieler,
der bei jeder sich bietenden Gelegenheit in
der Mittelstürmerposition auftauchte.
Viele Flanken,
die dann zu Toren führten, erhielt Jendrosch
von Joschi Burjan. Der war damals KSV-Rechtsaußen,
und auch er erinnert sich voller Wehmut an
Peter Jendrosch. "Er war ein toller Kumpel",
sagt Burjan.
Ein bisschen
mehr über den Menschen Jendrosch verrät
Werner Haßenpflug, der mit dem Halbstürmer
in der Saison 1960/61 in der KSV-Amateurmannschaft
gespielt hat. "Wenn Peter Jendrosch Geld
hatte, dann hatten wir auch Geld", sagt
Haßenpflug und meint: Ein Geizkragen
war Jendrosch bestimmt nicht.
Der war aus
Dortmund - wo er für die Viktoria gespielt
hatte - nach Kassel gekommen, weil er als
Soldat der Bundeswehr an der Fulda stationiert
war, schoss aber bei den Amateuren gleich
so viele Tore, dass der Wechsel zu den Vetragsspielern
schnell beschlossene Sache war.
Ludwig Müller,
der Held von Augsburg, war damals Masseur
der KSV-Kicker und erinnert sich an so manche
Poker-Partie der Fußballer. Peter Jendrosch
war stets mittendrin in der Pokerrunde, und
auch Müller - damals meistens Kiebitz
- hat nur gute Erinnerungen an den feigiebigen
Torjäger. "Ein ganz feiner Kerl",
sagt die Kasseler Leichtathletik-Legende.
Treu aber
blieb Jendrosch dem KSV nur bis zum Sommer
1964. Damals verpasste der KSV den Aufstieg
knapp, aber den Torjäger zog es trotzdem
in die Bundesliga. Er wechselte zum Karlsruher
SC, schoss gleich im ersten Spiel ein Tor
und wurde doch nicht glücklich. Nach
nur 13 Spielen und vier weiteren Toren war
Schluss mit der Erstklassigkeit, und Peter
Jendrosch schloss sich dem damaligen Regionalligisten
Freiburger FC an. Von Freiburg ging die Reise
zu Jahn Regensburg, der ebenfalls in der Regionalliga
spielte, und 1969 Endstation einer großartigen
Karriere war.
Nach der
Spieler-Laufbahn folgte die Trainer-Karriere
mit Stationen in Bamberg, Weiden, Ulm und
Aalen. Den SSV Ulm 46 führte Jendrosch
zwischen 1977 und 1979 von der Amateurliga
Baden-Württemberg über die Oberliga
in die 2. Bundesliga. Seine Trainer-Karriere
beendete Peter Jendrosch in Memmingen, wo
er am 2. März einem Krebsleiden erlag.
Jendrosch hinterlässt seine Ehefrau und
zwei Kinder.
Gerd Brehm
(HNA-Sportredaktion, 21.03.2008) |