Spielerporträt
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Brungs bestritt von 1965 bis 1968
97 Bundesligaspiele für den Club, in
denen er 50 Treffer erzielte. In der Regionalligasaison
1971/72 kam er 28mal zum Einsatz und schoss
6 Tore. 1968 erkämpfte er mit dem FCN
die deutsche Meisterschaft. Insgesamt trug
er 208mal das Clubtrikot.
Er war schon
beim Start der Bundesliga 1963 dabei. Zu Beginn
der ersten Saison holten ihn die Dortmunder
von Borussia Mönchengladbach, wo er 1960
Pokalsieger geworden war. Sein Freund Albert
Brülls hatte ihn zum Wechsel an den Bökelberg
überredet. Auch mit der Dortmunder Borussia
holte er wieder den DFB-Pokal. Anfangs hatte
er beim FV Bad Honnef und von 1958 bis 1960
beim 1. FC Köln gespielt, nachdem ihn
Hennes Weisweiler entdeckt und mehrmals zum
Probetraining eingeladen hatte. Genau an seinem
27. Geburtstag, am 4.12.1963, hatte er den
Durchbruch im großen Fußballgeschehen
geschafft. Im Europapokalspiel gegen Benfica
Lissabon gelangen ihm im Dortmunder Dress
drei blitzsaubere Tore, die den Grundstock
zum sensationellen 5:0-Erfolg der Borussia
legten. Als er in der nächsten Runde
beim 2:2 gegen Inter Mailand erneut zweimal
traf, wollte ihn der Mailänder Trainer
Helenio Herrera am liebsten gleich mit nach
Italien nehmen und sagte über ihn: „Der
Kerl hat doch den Teufel im Leib!“
Der Club
musste für den renommierten Torjäger
den damaligen Höchstsatz von 75 000 Mark
Ablöse bezahlen, die sich aber mehr als
rentieren sollten. Leicht hatte er es nicht
in Nürnberg. Bei seinem Wechsel von Borussia
Dortmund zum Club hatte der lebenslustige,
in Honnef geborene waschechte Rheinländer
große Mühe, sich daran zu gewöhnen,
dass „in Nürnberg alles durchdachter
angelegt war und auch die Technik mehr im
Vordergrund stand. Wir im Westen spielten
steiler.“ Auch an die Mentalität
der Franken musste er sich erst anpassen.
Jenö Csaknady wollte den Toreproduzenten
immer in eine Zwangsjacke pressen, die ihm
hinten und vorne nicht passte. Lange wollte
bei ihm deshalb der Knoten nicht platzen,
aber gerade in Nürnberg feierte er die
größten Erfolge seiner Karriere.
Seit das Clubspiel unter Max Merkel von der
Laufarbeit lebte und seine Kameraden ihm den
nötigen Raum verschafften, erwachte sein
ausgeprägter Torriecher. Als Spieler
war Brungs ein eher bulliger, kopfballstarker
Brecher-Typ. Gefragt, vor welchem Bundesligastürmer
er am meisten Respekt habe, erklärte
Roland Wabra: „Eigentlich vor keinem,
und wenn da einer wäre, dann würde
ich es dem nicht gerade auf die Nase binden.
Angst habe ich, ehrlich gesagt, nur, wenn
Brungs und unsere anderen Stürmer mir
im Training den Kasten vollhauen. Da bleibt
kein Auge trocken!“ Ein überraschendes
Erlebnis, das Nandl Wenauer überlieferte,
bescherte ihm Trainer Jenö Csaknady:
“Csaknady traute keinem! Deshalb wurden
wir zweimal täglich von ihm höchstpersönlich
gewogen. Stellte er Übergewicht fest,
hagelte es Strafen! 200 Gramm hatte einmal
unser Goldköpfchen Franz Brungs zuviel.
Diese genügten als Grund zur Nichtnominierung.
Franz Brungs wurde in die Reserve verbannt!”
Das größte
Aufsehen erregte Brungs durch seine 5 Tore
im Heimspiel der Meisterschaftssaison 1967/68
gegen Bayern München, das der Club mit
7:3 gewann. Nach dem Spiel meinte Tschick
Cajkovski, der damalige Trainer der Bayern
zu ihm: „Auf deine alten Tage lernst
du jetzt auch noch das Fußballspielen!“
Doch Brungs vergaß nicht, seine Kollegen
Volkert, Cebinac und Starek zu erwähnen:
„Den Ausschlag gaben die Kameraden,
die mir die Bälle maßgerecht servierten!“
Brungs war an diesem Tag der König einer
wie entfesselt aufspielenden Clubelf. In dieser
Saison lief der Rheinländer, der als
hervorragender Alleinunterhalter galt, zur
Höchstform auf, als er mit 25 Treffern
die Torjägerkanone nur knapp verpasste.
Dazu meinte er später: „Das war
vor allem Max Merkels Verdienst. Außerdem
konnten wir fast die gesamte Saison mit der
gleichen Mannschaft bestreiten. Es gab keine
einzige ernsthafte Verletzung, und es herrschte
eine viel bessere Kameradschaft als in den
Jahren zuvor.“ Über den Motivationskünstler
Max Merkel berichtete er: „Da war zum
Beispiel die Geschichte mit den Prämien.
Für jeden Sieg gab’s 1000 Mark,
die wurden stetes am Montag oder Dienstag
nach einem Spiel in bar ausbezahlt. Du musstest
an Merkels Zimmer anklopfen, dann zog er ein
Kuvert aus dem Schreibtisch mit der Kohle
drin. 'Für dich hab’ ich heute
kein Kuvert', hat er manchmal zu mir gesagt,
wenn ich schlecht gespielt hatte. 'Hast du
überhaupt mitgespielt? Ich hab’
dich nicht gesehen auf dem Platz.’ Ich
war sauer. Die anderen hatten ihre Kohle schon,
und ich musste erst noch rauf zu Schatzmeister
Winkler und mir die 1000 Mark dort abholen.
So hat er mich für den nächsten
Sonntag heiß gemacht.“ Als am
vorletzten Spieltag nach einem 2:0-Sieg bei
Bayern München die Meisterschaft feststand,
steckte Brungs sich zum ersten Mal aus Spaß
eine Zigarette an und versprach: „Jetzt
lasse ich mir mein Köpfchen vergolden!“
Sein Treffer zum 1:0 war nämlich sein
25. Saisontor, sein 50. für den Club
und sein 75. in der Bundesliga.
Nach diesem
Erfolg verließ er jedoch überraschend
den Club. Noch am 10. Juni schrieb das Sport-Magazin,
dass „Franz Brungs, der zu Schwarz-Weiß
Bregenz wollte, nicht freigegeben“ werde,
„sein Vertrag, der bis 1969 läuft,
ist bis 1970 verlängert worden.“
Am 1. Juli meldete die Zeitschrift dann doch
den Wechsel, wobei Merkel folgendermaßen
zitiert wurde: „Wir ließen Brungs
in dieser Sache völlig freie Hand. Natürlich
verlieren wir ihn nicht gerne, weil er für
seinen Fußball lebt und 90 Minuten nur
das Ziel kennt, Tore zu schießen. Wir
haben ihm auch nicht nahegelegt zu gehen.
aber schließlich ist er nun 31 Jahre
alt und muss schauen, dass er seine Ernte
unter Dach und Fach bringt. Und warum sollten
wir Brungs nicht seinen Einsatz honorieren,
den er bei uns gezeigt hat, indem wir ihn
noch einmal das große Geld verdienen
ließen?“ Um seinen Wechsel zu
Hertha BSC Berlin nach dem Gewinn der Meisterschaft
ranken sich viele weitere Gerüchte und
Spekulationen. Dazu meinte er selbst: „Das
ist in der Tat eine verworrene Geschichte.
Eins muss ich noch einmal klipp und klar sagen:
Ich wollte nicht weg. Ich hatte noch einen
Vertrag beim Club, und nachdem Starek und
Ferschl verkauft waren, hieß es ganz
klar: Nun wird keiner mehr abgegeben. Eines
abends läutete bei mir daheim das Telefon,
und Hertha- Präsident Holst war dran.
'Willst du nach Berlin kommen?’ fragte
er mich. Ich antwortete: 'Nein, schon weil
Max Merkel gesagt hat, dass keiner mehr gehen
darf.’ Daraufhin gab mir Holst eine
Telefonnummer und meinte: 'Ruf’ mal
diese Nummer an!’ Es war die Nummer
vom Bratwurst-Friedel, wo Merkel damals wohnte.
Ich rief an, Merkel war auch gleich am Apparat
und fing an zu reden. 'Alter Bomber’,
sagte er zu mir, 'in meinem Konzept für
die nächste Saison sieht’s für
dich nicht mehr so gut aus. Ich will Dieter
Nüssing und Erich Beer als Mittelstürmer
aufbauen, und ich kann noch nicht sagen, ob
du weiterhin erste Wahl bist.’ Anfangs
dachte ich, ich hör’ nicht recht,
dann fragte ich: 'Soll das heißen, dass
ich wechseln soll?’ 'Das liegt allein
bei dir’, sagte Merkel, 'meine Freigabe
hast du.’ Also fing ich an, mit Hertha
zu verhandeln, und dann wurden wir uns auch
sehr schnell einig. Ich weiß wirklich
nicht, was da gelaufen ist. Holst sagte mal
zu mir: 'In einer stillen Stunde werde ich
dir einiges erzählen’, aber ich
wollte es gar nicht wissen. Ich weiß
nur eins: Wenn der Club mich nicht verkauft
hätte, wäre er niemals abgestiegen.
Die paar Tore, die zum Klassenerhalt fehlten,
hätte ich hundertprozentig gemacht.
Also ist
der Club abgestiegen, und davon hat er sich
nie mehr erholt. Dabei waren alle Voraussetzungen
vorhanden, um auf Jahre hinaus die Nummer
eins in Deutschland zu bleiben. Ich bin sicher,
der Club hätte die Rolle spielen können,
die dann der FC Bayern übernommen hat.“
Nicht einmal 200 000 Mark strich der Club
damals jedenfalls für den Torjäger
ein, den die Berliner aus seinem laufenden
Vertrag herauskauften. Max Merkels Sicht der
Dinge ist allerdings eine andere: „Der
Toremacher Brungs, mit seinen 32 Jahren schon
mit einem Fuß im Fußballerhimmel,
schluchzte: 'Meine Frau ist in anderen Umständen,
ich brauche Geld für mein Haus und habe
ein riesiges Angebot von Hertha BSC. Bitte,
Trainer, vermasseln Sie mir die Chance nicht.
Wenn Sie nichts dagegen haben, lässt
mich der Verein gehen!’ Ich war menschlich
und ließ ihn gehen, und die Nürnberger
Fans schrien: 'Der Merkel hat den Brungs verkauft!’
Als ob ein Trainer einen Spieler verkaufen
könnte! Das kann nur der Vorstand. Später
bin ich dem Herrn Brungs wieder mal begegnet.
Da waren ein paar alte Nürnberger Club-Fanatiker
dabei, und ich bat ihn: 'Nun sagen Sie doch
einmal, wie das damals mit Ihnen wirklich
war.’ Da antwortete der Herr Fußball-Profi
wie ein seifenglatter Politiker: 'Dazu möchte
ich mich nicht äußern.’”
Merkel kommentierte die Sache aber auch so:
„Wenn wir den Brungs nicht verkauft
hätten, wäre das Sturmproblem nur
hinausgeschoben worden. Wäre Brungs geblieben,
hätte ich die Jungen nicht einbauen können
und sie wären auf der Ersatzbank versauert.“
Die Vereinszeitung des FCN schrieb dazu: „Diese
klaren Entgegnungen tun zumindest kund, dass
etliche der nicht mehr vorhandenen Clubspieler
noch da wären, wenn es Meistermacher
Merkel gewollt hätte.“
Brungs’
Verkauf sorgte jedenfalls für heftiges
Unverständnis rund um den Valznerweiher.
Doch Merkel erstickte jede Kritik im Keim
und rechtfertigte seine Maßnahme folgendermaßen:
„Wenn wir im Europapokal gleich auf
den AC Mailand treffen, sind wir sowieso draußen,
ob mit oder ohne den Franz!“ Und für
die Bundesliga, so meinte er, werde es auch
ohne Brungs allemal reichen. Nicht nur Nandl
Wenauer sah in diesem Spielerverkauf einen
der Hauptgründe für den Abstieg,
und viele stimmten ihm zu, als er meinte:
„Der Verkauf von Brungs, Ferschl und
Starek war nicht zu verkraften. Es war keiner
mehr da, der die Flanken von Volkert und Cebinac
verwertete.“ Auch Heinz Strehl konnte
es nicht glauben: „Ich war wie vor den
Kopf geschlagen, als ich bei der Rückkehr
aus dem Urlaub erfuhr, dass Franz künftig
für Hertha BSC stürmen werde. Ich
hatte mit ihm vor allem in den Europapokalspielen
gerechnet, in denen er ja bei Borussia Dortmund
wahre Glanzleistungen geliefert hatte.“
Als der Saisonstart 1968 mit zwei Niederlagen
völlig unbefriedigend verlief schrieb
die Vereinszeitung folgendes: „Wir wissen,
dass immer wieder der Name Brungs in die Debatte
geworfen wird, und dem Verfasser dieses Berichts
erscheint das keineswegs als erstaunlich,
weil er selbst fast ein wenig blass wurde,
als ihn im Urlaub die Nachricht vom Weggang
des Rekordschützen überraschte.
Man kann
die Abwanderung nicht gut als einen Entschluss
deklarieren, mit dem man dem Franz eine (finanzielle)
Wohltat erweisen wollte; denn einmal ist der
Profifußball keine Caritas, zum andern
lebt der Club ja auch nicht gerade im Armenhaus.
Auch die Begründung, in zwei Jahren hätte
man für Brungs wohl keinen Erlös
mehr erzielt, hinkt; denn dieser Erlös
kann sich, wenn zu wenig Tore erzielt werden
und zuviele Punkte verlorengehen, bald als
geringer erweisen, als der Ausfall in den
Stadionkassen.“ Im Mai 1969 rügte
die Vereínszeitschrift, „dass
MM die Abgabe unseres erfolgreichsten Torschützen
Franz Brungs durchsetzte, obwohl man den Mittelstürmer
bereits für weitere zwei Jahre unter
Vertrag hatte“. Der Autor des Artikels
fuhr fort: „Dem Verfasser sind einige
Hintergründe bekannt, die die weiche
Linie gegenüber den einsamen Entschlüssen
Merkels vielleicht verständlicher machen.
So, wenn beispielsweise Max Merkel die Alternative
gestellt haben soll, entweder gehe Franz Brungs
oder er. Wir sagten schon, dass wohl ein erheblicher
Aufruhr entstanden wäre, hätte man
Merkel damals ziehen lassen. Aber wer oder
was gab dem durch einen Arbeitsvertrag gebundenen
Angestellten Merkel auf der anderen Seite
das Recht, und was gab ihm den Anlass zu einer
solchen Nötigung?“
In der Saison
1971/72 kehrte Brungs noch einmal von Hertha
BSC an den Valznerweiher zurück, konnte
aber nichts daran ändern, dass der Club
wieder einmal den Aufstieg verpasste. Wenige
Spieltage vor dem Ende dieser unerfreulichen
Saison, in der der Club statt um den Aufstieg
gegen den Abstieg spielte, endete seine stolze
Karriere. Im Zusammenhang mit dem Bundesligaskandal
wurde er aufgrund von Vorfällen während
seiner Berliner Zeit von 1972 bis 1974 gesperrt,
1973 aber begnadigt. Im Spieljahr 1973/74
war Brungs als Obmann die rechte Hand des
neuen Clubtrainers Hans Tilkowski. Wenn auch
nach eineinhalb Jahren wegen Disharmonie zwischen
ihm und dem Trainer die Trennung erfolgte,
blickte er später keineswegs im Zorn
zurück auf diese Zeit, denn dem Club
fehlte ein einziges Tor zum Wiederaufstieg
in die Bundesliga.
Außerdem
betreute er diverse Zweitligaklubs wie Kickers
Offenbach (1981/82 und 1986/87), die SpVgg
Fürth (1982/83) oder Hessen Kassel (1984)
sowie die SpVgg Büchenbach (1975-77),
den FC Herzogenaurach (1978-80), den VfB Coburg,
die SpVgg Bayreuth, den FC Stein (1974/75)
und den VfL Frohnlach. Im März 1982 konnte
man im Kicker lesen: “Als ausgesprochenes
Gerücht bezeichnete Manager Udo Klug,
dass Franz Brungs als Trainer nach Nürnberg
kommen würde: ‘Da ist kein Wort
dran wahr. Wenn ich einen Trainer will, dann
sage ich das.’ Brungs selbst musste
lachen, als wir ihn darauf ansprachen: ‘Das
ist wirklich nur ein Gerücht. Aber so
schlecht wäre das nicht in Nürnberg
...’” Immerhin hatte er ja einmal
verkündet: “Eines Tages möchte
ich die FCN-Lizenzspieler trainieren.”
Das „Goldköpfchen“, das eine
lange Anlaufzeit brauchte, um sich an die
Mentalität der Franken zu gewöhnen,
wurde nach seiner Fußballkarriere mit
einem Toto-Lotto-Geschäft am Kopernikusplatz
in der Noris heimisch und fühlte sich
jedenfalls längst in der fränkischen
Metropole wohl. Wohnen tut er allerdings in
Oberasbach, das ja bekanntlich ausgerechnet
zu Fürth gehört. |